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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Kleindenkmäler: Exkurs durch die Epochen

Neben ihrer historischen und religiösen Bedeutung kann man Kleindenkmäler auch als Kunst im öffentlichen Raum betrachten, die es nicht erst seit dem 20. und 21. Jahrhundert gibt. Vom einfachen Holzkreuz bis zur monumentalen, barocken Pestsäule spannt sich ein Spektrum von Schöpfungen einfacher Handwerker bis zu den Werken berühmter Steinmetze und Bildhauer. Sie waren aber zu jeder Zeit Ausdruck kulturellen Schaffens und künstlerischen Empfindens.

Wir können Kleindenkmäler unterscheiden nach ihrer handwerklichen Ausfertigung entsprechend den zur Verfügung stehenden Mitteln und dann nach dem der Zeit entsprechenden Baustil, man könnte auch sagen, der gerade vorherrschenden Mode und schließlich, ob der Stiftungsgrund religiöser oder profaner Natur war bzw. ist.

Die schlichten Holzkreuze, die vor allem die ländliche Bevölkerung auf ihren Wegen und Feldern errichtete, waren kostengünstig, dafür aber nicht so langlebig, und man musste sie immer wieder erneuern. Sie sind aber nicht aus unseren Fluren verschwunden und werden heute noch an Straßenrändern, wo sich tödliche Verkehrsunfälle ereignet haben, aufgestellt.

 

Landbesitzer oder Herrschaften errichteten gemauerte Steinsäulen sowie gemauerte Pfeiler oder Breitpfeiler bzw. Kapellenbildstöcke. Man sollte schon sehen, wer sich ein sehenswertes Marterl leisten konnte. So findet man im Weinviertel wesentlich mehr Breitpfeiler und Kapellenbildstöcke, während im ärmeren Waldviertel die Stifter oft mit Holzkreuzen das Auslangen finden mussten. Eine Ausnahme bildet das obere Waldviertel, wo aufgrund des Vorkommens von Granit Steinsäulen kostengünstiger hergestellt werden konnten.

Die monumentalen und künstlerisch anspruchsvollen Schöpfungen wurden in erster Linie von den Herrschaften und auch von den wohlhabenden Städten oder Märkten errichtet, welche namhafte Künstler mit der Errichtung beauftragten.

Kleine Reise durch die Epochen

In der Romanik sehen wir schwere Säulen mit mächtigen Aufsätzen. Sie spiegeln, wie auch die Kirchen dieser Zeit, das nach innen gewandte, düstere Verständnis von

Religiosität. Ganz anders in der darauffolgenden Gotik, wo lichtdurchflossene Kirchenräume und feine, fast zerbrechlich aussehende Strebepfeiler den Blick nach oben richteten und so sollten auch die Marterl aussehen. Ganz charakteristisch sind die beiden Kunstwerke „Spinnerin am Kreuz“ in Wiener Neustadt, gestiftet 1384 von Stadtrichter Wolfram von Schwarzensee und jenes an der Triester Straße in Wien, welches 1452 von Dombaumeister Hans Buchsbaum errichtet wurde.

In der Reformation, im 30-jährigen Krieg und in den Türkenkriegen wurden viele Kleindenkmäler zerstört und so hatte man mit dem Einsetzen der Gegenreformation und dem Zurückdrängen der Türken aus Mittel- und Osteuropa einen ungeheuren Nachholbedarf. Auch das Kunst- und Kulturverständnis hatte sich gewandelt – man war in das Barockzeitalter eingetreten. Die Marienverehrung und die Verehrung der Heiligen Dreifaltigkeit wurde großgeschrieben und so stammen viele Mariensäulen sowie Dreifaltigkeits- und Pestsäulen aus dieser Epoche. In Zeiten eines Jakob Prandtauer (1660 – 1726) und Bernhard Fischer von Erlach (1656 – 1723) gab es in Österreich eine große Anzahl weniger bekannter aber ebenso begabter Bildhauer und Steinmetze, z. B.: Giovanni Giuliani (1664 – 1744), Andreas Krimmer (1665 – 1735 Dreifaltigkeitssäule in Langenlois), Andree Gruber (Dreifaltigkeitssäule in St. Pölten), welche die unzähligen Heiligenfiguren und Monumentaldenkmäler wie Pest- und Dreifaltigkeitssäulen schufen.

In den auf den Barock folgenden Kunstepochen Rokoko, Klassizismus, Biedermeier, Historismus und Jugendstil findet man kaum merkbare Veränderungen in der Gestaltung neu aufgestellter Kleindenkmäler. Man hielt sich gerne an Althergebrachtes. Erst mit Beginn des 20. Jahrhundert finden erst wenige, aber später immer mehr unkonventionelle Darstellungen in die Kleindenkmallandschaft Eingang. In den letzten Jahrzehnten, in denen „Kunst im öffentlichen Raum“ von Bund und Ländern massiv gefördert wird, entstehen viele interessante Kreationen, welche die Tür zu einem neuen Zeitalter der Kleindenkmalkultur geöffnet haben.

Übersicht in Bildern

Text: Anton Stöger