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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Winzerkreuze - Das Rebmesser im Wappen

Flur- und Kleindenkmäler haben zahlreiche Formen, Materialien und Stiftungsintentionen. Eine besondere Gruppe in Niederösterreich sind die Winzerkreuze.

Die niederösterreichische Landschaft ist äußerst reich an Bildstöcken und Marterln, besonders in der Region nördlich der Donau. Vielfältig sind die Formen und Gestaltungen dieser Zeichen unserer Kulturlandschaft, man spricht besonders in Niederösterreich von einer „sakralen Landschaft“. Es sind durchaus lokale Besonderheiten, die die Aufmerksamkeit des genauen Beobachters erregen, die aber einem ungeschulten Auge leicht entgehen. So gibt es eine Gruppe von Bildstöcken, die von Handwerkern, Ackerbauern oder auch Winzern gestiftet worden sind und die als solche deutlich angesprochen werden können.

Unter Winzerkreuzen verstehen wir jene Objekte, die als typische Kennzeichen Rebmesser oder Hauen, die traditionellen Arbeitsgeräte der Winzer, reliefartig in den Schaft oder Aufsatz (Tabernakel) eines Bildstockes eingearbeitet haben. Laut derzeitigem Forschungsstand gibt es in Niederösterreich 20 Objekte, von denen drei südlich der Donau zu finden sind, der Rest verteilt sich hauptsächlich auf die Bezirke Hollabrunn, Horn und Krems, wobei rund um Hollabrunn die meisten Winzerkreuze vorkommen.

Winzerwerkzeuge

In einem einzigen Fall, und zwar in Oberdürnbach, kommt eine Haue gemeinsam mit einem Winzermesser vor. In den meisten Fällen befinden sich gekreuzte Winzermesser in einer Wappenkartusche, die am Schulterblock des Bildstockes angebracht wurde. Diese heraldische Mode dürfte im 15. Jahrhundert aufgekommen sein und hatte seinen Höhepunkt im 16. Jahrhundert und klingt dann wieder aus. Ein Bildstock dieser Art findet sich in Groß Wiesendorf und trägt die Jahreszahl 1529. Ein weiteres höchst interessantes Winzerkreuz befindet sich in Langenlois und wurde im vergangenen Jahr renoviert. Auf der Vorderseite sind die Winzermesser in gekreuzter Form auf dem Schulterblock mit der Jahreszahl 1540 zu sehen, während auf der linken Seite das Nachfolgewerkzeug, nämlich die Rebschere mit der Jahreszahl 1847 abgebildet wurde, zusätzlich findet sich das Symbol einer Schmiedemarke. Dies lässt sich höchstwahrscheinlich auf den Erfinder der Rebschere Johann Keusch aus Krems, der sich selbst als Zeugschmied bezeichnete, zurückführen. Durch diese epochale Erfindung konnte der zeitintensive Rebschnitt in der halben Zeit durchgeführt werden.
Eines der ältesten Winzerkreuze dürfte das von Untermarkersdorf sein, das gleich drei bäuerliche Zunftzeichen aufzuweisen hat, zum einen ein altartiges Rebmesser, eine Pflugschar und dann noch ein Sechmesser, welches den Boden vor der Pflugschar vorschneiden sollte. Bei diesem Objekt, das mit 1509 datiert, ging der Tabernakel verloren und es wurde 1802 die Figur des hl. Rochus, einem typischen Pestheiligen, daraufgesetzt.

Stifter

Ein besonderes Winzerkreuz steht in Steinaweg in der Gemeinde Furth bei Göttweig, das in diesem Jahre renoviert wurde. Es handelt sich dabei um das Kreuz beim Altmannibründl, hier sind am Schaft gekreuzte Rebmesser zu sehen und eine Inschrift ebenfalls am Schaft gibt Auskunft über den Stifter: „GERD BOLT VON GENADLASTORF, 1621.“ Vor der Renovierung hat man noch den Namen Gerg (= Georg) statt Gerd gelesen – was wahrscheinlich auch richtig war – und es handelt sich dabei um einen Pilger aus Gnadlersdorf/Hnanice in Südmähren, der vermutlich nach Mariazell unterwegs war. Bis heute besteht in diesem Ort zwischen Retz und Znaim/Znojmo eine reiche Weinbautradition, 30 Prozent der Gemeindefläche sind mit Weinreben bepflanzt. Warum er gerade im Schatten des Göttweiger Berges dieses besondere Denkmal errichten ließ, wird wahrscheinlich immer ein Geheimnis bleiben.

Was aber sehr bedeutsam ist, das ist die Quelle, die sich in unmittelbarer Nähe befindet – das Altmannibründl. Darüber gibt es eine Sage, die einen Bezug zum Stift Göttweig hat. Die Lebensgeschichte des heiligen Altmann berichtet: Als die als Heilige verehrten Bischöfe Gebhard (Salzburg), Adalbero (Würzburg) und Altmann (Passau) noch Studenten waren, machten sie eines Tages Rast an einer sprudelnden Quelle (= Altmannibründl) und prophezeiten einander gegenseitig die zukünftige Bischofswürde. Auch sagten sie einander voraus, dass jeder ein Kloster gründen würde, was schließlich auch eintrat: Stift Admont (Gebhart), Stift Lambach (Adalbero) und Stift Göttweig (Altmann).

Zum Abschluss soll noch das Winzerkreuz von Schrattenthal erwähnt werden, weil dort zwei Rebmesser am unteren Ende des Schaftes an den auslaufenden Zungen in den Stein gearbeitet wurden und diese Rebmesser sind in der Art der römischen Rebmesser dargestellt, mit einer hakenförmigen Schneide und auf der Rückseite mit einem beilartigen Fortsatz, der zur Bearbeitung stärkerer Rebstücke gedacht war.  

Text: Erich Broidl

INFORMATION: der neue Lehrgang Kleindenkmale

Ab November 2018 bietet das Museumsmanagement Niederösterreich einen neuen „Lehrgang Kleindenkmale“. In sechs ganztägigen Modulen werden Grundlagen der Kleindenkmalforschung, Ikonografie, Restaurierung und Kulturvermittlung behandelt. Der Lehrgang richtet sich speziell an jene, die sich in ihrer Gemeinde für die Erhaltung, Erforschung und Vermittlung von Kleindenkmalen einsetzen. Module können auch einzeln gebucht werden. Lehrgangsleiter ist Mag. Erich Broidl.

Hier finden Sie Informationen und Termine. Fragen und Anmeldungen bitte an fortbildung@noemuseen.at, Tel. 02742 90666-6124.