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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Objekte erzählen Geschichten

NÖ MuseenMuseumsarbeit

Federleicht oder tonnenschwer. Briefmarkenklein oder eindeutig zu groß für die Museumsräumlichkeiten. Mit feiner Tinte geschrieben oder aus Holz geschnitzt. 1.000 Jahre alt oder der letzte Neuzugang im Museum: So unterschiedlich Museumsobjekte sein können, spiegeln sie dennoch die Relevanz wider, welche sie für das jeweilige Museum und die Region haben. Sie erzählen Geschichten über das Museum, den Ort und die Region. Sechs Objekte geben Einblicke in Niederösterreichs Museen.

Objekt: Glasplattennegativ aus dem Jahr 1905
Museum: Museums-Lokalbahn Verein Zwettl

16 am Flohmarkt entdeckte Glasplatten-Negative, die den Bau der Zwettler Eisenbahnbrücke zeigen, bieten dem Museums-Lokalbahn Verein Zwettl Anlass für eine Spurensuche zum Thema  „Brückenbau einst und jetzt“. Fotografien und Dokumente vergleichen den Bau des Zwettler Viadukts in den Jahren 1905/1906 mit der Neuerrichtung der Tragwerke 1998/1999. Der Bau der Brücke Anfang des 20. Jahrhunders wurde mit hohem personellem Einsatz und großem handwerklichem Geschick unter Verwendung einfacher technischer Werkzeuge vollbracht. Dem gegenüber steht die teilweise Erneuerung der Brücke Ende des 20. Jahrhunderts unter Einsatz modernster Technik, aber dafür mit erheblich geringerem Personalaufwand. Die Dauer beider Arbeiten war in etwa gleich lang.

Objekt: Schützenscheibe
Museum: 5-Elemente-Museum Waidhofen/Ybbs

151 Jahre ist es her, dass der Stadt Waidhofen an der Ybbs das eigene Statut verliehen wurde. 151 Jahre ist auch diese Schützenscheibe alt, die dem damaligen Bürgermeister Franz Hofer anlässlich der Verleihung verehrt wurde. Das 5-Elemente-Museum im Schloss Rothschild erzählt anhand dieses Beispiels und weiterer Objekte die Geschichte der Stadt und beleuchtet, wie das Zusammenspiel der fünf Elemente Erde, Feuer, Wasser, Holz und Metall seit Jahrhunderten das Leben der Menschen in der Region und im Wirtschaftsraum der Eisenwurzen prägt.

 

Objekt: Osmanisches Festgewand aus violetter Seide mit üppiger Goldstickerei der Kaiserin Elisabeth
Museum: Schloss Niederweiden

Ob Elisabeth diesen orientalischen Mantel käuflich erworben oder geschenkt bekommen hat, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Nachweisbar wurden aber Adaptierungen ihrer Figur und ihrer Kleiderausführung entsprechend vorgenommen. Anhand der verwendeten Materialien zeigt sich, dass einige Nähte des Mantelkleids geöffnet und wieder in anderer Form geschlossen wurden. Da die Kaiserin eine große Oberweite hatte, bestand die Gefahr, dass sich der Saum zu weit vom Boden abgehoben hätte. Es wurde daher der Vorderteil verlängert. Um einen guten Fall des Mantels zu gewährleisten, wurden wie so oft bei den Kleidern der Kaiserin Bleistücke (2 x 2 cm) im Saum eingenäht.

Objekt: vermutlich eine bewegliche Fasten- oder Passionskrippe
Museum: Liechtenstein Schloss Wilfersdorf

Einige Rätsel gibt dieses Objekt auf, das als die „Sieben Schmerzen Mariens“ bezeichnet wird. Bevor es in den Bestand des Liechtensteinmuseums übernommen wurde, befand es sich bis 1985 in der Rosalienkapelle am Kalvarienberg Wilfersdorf. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es sich um eine vereinfachte Form einer beweglichen Fasten- oder Passionskrippe handeln könnte – eine volkskundliche Rarität in Österreich. Das Objekt soll nun restauriert werden, damit es wieder im Glanz erstrahlt und vielleicht sogar verwendet werden kann.

Objekt: Ladenzeile
Museum: Museum Traiskirchen

„Heute frische Krapfen!“, „Titze Feigenkaffee – Feinste Qualitätsmarke“ und „Altbewährt. Maggi Suppen-Artikel“: Emailleschilder preisen altbekannte Marken an. Eine Ladenzeile reiht sich an die nächste: Gemischtwarenhandlung, Apotheke, Eisenwarenhandlung, Uhrengeschäft, Bäcker, Schuster, Hutgeschäft – alle mit Originalausstattung. Das in der ehemaligen Kammgarnspinnerei Möllersdorf untergebrachte Museum Traiskirchen lädt zu einer Reise in eine Zeit ein, in der es noch keine Shopping-Center und Supermarktketten gab.

Objekt: aus Zogelsdorfer Kalksandstein geschaffenes Grabdenkmal einer Steinmetzmeisterin
am Friedhof Burgschleinitz

„Weißer Stein von Eggenburg“ wurde der Zogelsdorfer Kalksandstein auch genannt, der seit dem 12. Jahrhundert bei zahlreichen Kirchen, Kapellen, Skulpturen und Architekturteilen genauso zum Einsatz kam wie bei Waschbecken, Dampfhauben bei Weinkellern und Gantern für Weinfässer. Sieben Museen der Region Horn – Gars – Eggenburg besitzen Objekte aus Kalksandstein.  Darunter befinden sich Grabsteine datiert mit 1701 im Archiv des Krahuletz-Museums genauso wie ein evangelisches Taufbecken im Museum Horn oder Kalksandstein-Skulpturen auf Kapellen, Bildstöcken und Häusern, die bei einem Spaziergang durch Gars entdeckt werden können.

Die Aura der Originale ist ab Mitte Mai, wenn die niederösterreichischen Museen wieder öffnen, zu erleben. 

Dieser Artikel ist ursprünglich im Schaufenster Kultur.Region, Ausgabe 2/2020 erschienen.

Text: Karin Böhm