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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Malerwalzen: aus der Schatzkiste des Malermeisters Greul

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Malerwalzen erzählen von Innenarchitektur vergangener Zeiten 

Das Museum für Dorfkultur, das in der ehemaligen Mühle in Großengersdorf untergebracht ist, gibt Einblicke in unterschiedliche Handwerksbetriebe und in die Alltagskultur eines Dorfes. Für das Interreg-Projekt Heritage SK-AT wurden drei Teilsammlungen genauer bearbeitet und inventarisiert: die historischen Bauziegel, die Musterwalzen sowie ein kleinerer Bestand an Blaudruckstempeln. Das Besondere dieser Sammlung, die auf der leidenschaftlichen Sammeltätigkeit des ehemaligen Bürgermeisters und Museumsleiters Josef Rögner basiert, ist die Herkunft der Objekte: Diese Zeugen des alltäglichen Lebens stammen größtenteils direkt aus Großengersdorf.

Schatzkiste des Malermeisters Greul

Nach dem Tod des in Großengersdorf ansässigen Malermeisters Josef Greul (Betrieb seit 1935) erfolgte die Geschäftsauflösung durch dessen Erben. Diverse Ausstattungsstücke (Werkzeuge, Pigmente, Musterwalzen, etc.) gelangen in der Folge als Schenkung an Herrn Josef Rögner. Nach der Gründung des Museums für Dorfkultur im Gebäude der ehemaligen Gemeindemühle 1998 wurden die Objekte des Malereibetriebes bereits dort ausgestellt. Den Bestand des Malergewerbes ergänzten weitere Stücke aus Privatbesitz einzelner Dorfbewohner, darunter beispielsweise des Malers Obetzhauser in Bockfließ, der bei Herrn Greul den Beruf des Malers erlernte und 1990 in Großengersdorf seinen ersten eigenen Betrieb eröffnete.

Design mit Musterwalzen

Die Musterwalzen wurden verwendet, um auf einem bereits farbig gefassten Untergrund ein Muster in einer kontrastierenden Farbe aufzubringen. Um einen gleichmäßigen Farbauftrag zu erhalten, wurden nicht die Walzen selbst in die Farbe getaucht, sondern durch eine Vorrichtung ein walzenförmiger Schwamm mit Farbe gesträngt (getränkte Farbwalze), der wiederrum durch die Rollbewegung die Farbe auf die Walze übertrug. Dabei war es auch möglich, mehrfarbige Muster zu erzeugen, die mit unterschiedlichen Walzen aufgebracht wurden bzw. bei denen der Farbauftrag auf die Walze durch mehrere Schwämme mit unterschiedlichen Farben geschah. Grundsätzlich haben wir es bei dieser Technik mit dem Prinzip des Rollstempels zu tun: Die Walzen sind also nichts anderes als zylinderförmige Stempel, dank deren Form es möglich ist, ein gleichmäßiges Muster auf einer relativ großen Fläche aufzutragen.

Handelte es sich um den Auftrag von Farbe, wird gebräuchlich der Begriff Musterwalze verwendet. Sollte die Walze dazu dienen, durch Prägen eine Struktur zu erzeugen, kann es zum Gebrauch des Begriffs Strukturwalze kommen. Das spezifische Profil der Walze hinterlässt durch das gleichmäßige Abrollen dementsprechend entweder ein gleichmäßiges Muster aus Farbe oder als Strukturwalze ein Relief.

Kleine Geschichte der Musterwalzen

In der Alltagspraxis der vergangenen hundert Jahre waren die Musterwalzen ein wichtiges Werkzeug des Malerhandwerkes. Innerhalb der Geschichte des Malerhandwerkes lösten die Musterwalzen die bisher gebräuchlichen Schablonen ab. Diese mussten versatzweise verwendet werden, was wesentlich aufwendiger war als die Verwendung einer Musterwalze, mit deren Hilfe ganze Musterbahnen mit einem Zug aufgebracht werden können. Die Geschichte der Musterwalzen, wie wir sie heute kennen, beginnt mit der Anmeldung eines Patents Carl Longjaloux aus Elberfeld für einen Handdruckapparat mit Selbstfärbung im Jahr 1879. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Technik weiter verbessert und Adaptierungen vorgenommen, bis im Januar 1912 ein weiteres Patent für einen Handdruckapparat durch Rudolf Mollik in Frankfurt angemeldet wurde. Damit begann die größte Ausbreitung der Musterwalzen, in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg nahm diese nochmals zu, bis zu ihrer Hochzeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Wurden die Walzen zu Beginn aus Holz geschnitzt, wurden sie später und vor allem im Zuge der Entwicklung neuer Werkstoffe zumeist aus Gummi oder PVC hergestellt. Zuerst wurden auch aus den Kunststoffen Rohlinge hergestellt, die schließlich durch Schnitzen ein Muster erhielten. Später begann man, die Walzen mithilfe von Modeln durch ein Gussverfahren herzustellen.[1]

Mit der Entwicklung moderner Tapeten und Druckverfahren wurden schließlich diese immer mehr bevorzugt, was ab den 1970er Jahren zu einem Rückgang der Verwendung von Musterwalzen führte.

Info:

Hier kann der Online-Katalog mit allen Objekten durchgeblättert werden

Alle niederösterreichischen Museen und Sammlungen, die Interesse an einer Beteiligung haben, finden hier Informationen zur Nutzung des digitalen Inventarisierungsportals DIP.

 

 

Text: Nina Harm 


[1] Tobias Ott - strukturwalzen.de, URL: https://www.strukturwalzen.de/geschichte-malerhandwerk.htm (19.03.2020, 12:30 Uhr)