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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

"Handle with Care!"

MuseumsarbeitMuseumsmanagement NiederösterreichFortbildung
Aufgereihte Moletten in der Walzengravieranstalt Guntramsdorf

Jeder von uns hat sie doch zu Hause: die schönen, alten Stücke, von denen man sich einfach nicht trennen möchte. Manche geerbt, manche erstanden, ein paar noch jung, viele alt, einigen sieht man die Zeichen der Zeit sehr deutlich an. Egal ob es nun geliebte Kleidungsstücke sind, geschnitzte Holzfiguren, fast schon antiquariatsreife Bücher oder fein gearbeitete Metallobjekte, eins haben sie alle gemeinsam: den emotionalen Wert für ihre Besitzer.

Und dann sieht man sie auf einmal: die Mottenlöcher in den feinen Stoffen, Fraßspuren in einem wertvollen Buch, Korrosion auf dem Zinnkrug, Knitterfalten im geliebten Hochzeitskleid. Sind die Objekte verloren? Wie können sie adäquat gelagert werden und wie wird man den Holzwurm wieder los? Solche Fragen stellen sich nicht nur Menschen wie Sie und ich, auch Museen stehen tagtäglich vor ähnlichen Herausforderungen. Schließlich befinden sich auch in deren Sammlungen empfindliche Objekte, bei deren Lagerung es einiges zu beachten gibt. In den Praxiskursen des Museumsmanagements Niederösterreich lernen Museumsmitarbeitende von Vortragenden wichtige Tipps und Tricks im Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Problemstellungen. In den Workshops Erlerntes ist auch im Hausgebrauch sehr nützlich.

Drei der Vortragenden geben Ihnen hier Ratschläge für die korrekte Lagerung von speziellen Materialien und einen Tipp zur Schädlingsbekämpfung:

Fragile Schwergewichte

Egal, ob kostbarer Schmuck, Großvaters Zinnkrug, die alte Milchkanne oder die schönen Gewichte aus der Greißlerei: alle Metalle haben es gerne trocken. Über 33% Luftfeuchtigkeit tun ihnen nicht gut, im Schuppen haben sie also nichts verloren. Ebenso wichtig ist der Schutz vor Staub. Jedes Staubkorn enthält Schadstoffe aus der Luft. Legt es sich auf einem Metallobjekt ab, können diese Schadstoffe sich durch die Oberfläche fressen und Korrosion auslösen. Idealerweise bewahren Sie metallene Erinnerungsstücke also in einer Vitrine auf. Sie können sie aber auch mit einem Überwurf aus "entschlichtetem", also einem vorgewaschenen Baumwollstoff vor Staub schützen. Zum gelegentlichen Abstauben reicht ein weicher Schmink- oder Malpinsel vollkommen aus.

Zinn ist besonders empfindlich: das Metall mag es nicht gerne kalt. Unter einer Temperatur von 13,5 Grad setzt der Zinnfraß ein, das Metall beginnt sich selbst zu zersetzen. Dabei kann es auch Objekte in der näheren Umgebung anstecken. Lagern Sie alte Orgelpfeifen, Zinnfiguren oder Bierkrüge also lieber in einem trockenen, geheizten Raum.

Mag.a Zita Breu ist Metallrestauratorin.

Das Hochzeitskleid im Kleiderkasten

Einmal getragen, schlummert es häufig von der Reinigung in Folie verpackt auf einem Drahtbügel im hintersten Eck im Kleiderkasten. Oder das Familienerbstück von der Großmutter klein zusammengefaltet in einer Kartonschachtel auf dem Dachboden – fast vergessen, aber doch in Ehren gehalten.

Mit einigen Handgriffen können die Kleidungsstücke geschützt und besser aufbewahrt werden. Kleider in einem guten Zustand können mit aufgepolsterten Kleiderbügeln aufgehängt werden. Dafür eignet sich Dacronwatte (aus Stoff- und Zubehörgeschäften), überzogen mit ungefärbtem, gewaschenem Baumwollgewebe. Ein wenig handwerkliches Geschick ist hilfreich, wenn sie um den Kleiderbügel gewickelt und mit Stoffbändern fixiert wird.

Erbstücke aus brüchiger Seide sollten unbedingt liegend in einem großen, flachen Karton aufbewahrt werden. Mit säurefreiem Seidenpapier ausschlagen (in gut sortierten Papiergeschäften oder online zu finden) und das Kleidungsstück mit Papierbauschen und -wülsten vorsichtig auspolstern. So haben Sie noch lange Freude an den schönen Stücken!

Mag.a Barbara Eisenhardt, MAS ist Textilrestauratorin.

 

 

Wenn es krabbelt – Schädlingsbekämpfung in den eigenen vier Wänden

Mottengespinste in der schönsten Wollweste? Der Holzwurm nagt in der Lieblingsstatue? Irgendetwas knabbert im Ledereinband der geliebten Erstausgabe? Unschöne Momente, aber die Objekte sind noch nicht verloren. Und der Einsatz von Gift ist oft nicht notwendig:

Schaffen Sie Platz in Ihrem Tiefkühler. Packen Sie die Lieblingsstücke mit möglichst wenig Luft in eine Folie ein, um Kondensation beim Auftauen zu vermeiden. Gewöhnliche Gefriersäcke oder ein Müllsack sind dazu ausreichend. Frieren Sie die Objekte mindestens drei Wochen lang bei -20 Grad ein. Achten Sie allerdings beim Auftauen auf Ihr Objekt, hier ist das Material spröde und empfindlich. So sollte allen Larven, Eiern und bereits geschlüpften Käfern und Motten der Garaus gemacht werden. Reinigen Sie den ursprünglichen Lagerungsort gründlich und kontrollieren Sie die Stellen zukünftig mit passenden Fallen: Klebefallen für diverse Käfer, Pheromonfallen für Motten. Diese bekommen Sie im Einzelhandel. Bei wiederkehrenden Problemen sollten Sie einen Fachmann kontaktieren.

Mag. Dr. Pasqual Querner ist Experte für Schädlingsbekämpfung.

Zita Breu, Barbara Eisenhardt und Pascal Querner sind Vortragende der Praxiskurse des Museumsmanagement Niederösterreich. Aktuelle Kurstermine finden Sie bei unseren Fortbildungsangeboten.

 

Text: Patricia Nekuda

Dieser Artikel ist ursprünglich im Schaufenster Kultur.Region erschienen.