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30 Jahre Fall des Eisernen Vorhanges

NÖ MuseenAusstellungen und Veranstaltungen

Heuer sind genau dreißig Jahre vergangen, seit sich die Grenzen zwischen West und Ost geöffnet haben – ein Anlass, der es jedenfalls wert ist, gebührend beachtet zu werden und einen Blick zurück zu werfen.

Ein paar persönliche Erinnerungen

Für mich sind die Jahre rund um die „Wende“ mit vielen persönlichen Erinnerungen verbunden. 1988 hatte ich auf der Sommerschule in Oslo, für die ich ein Stipendium ergattert hatte, viele Studierende aus dem damaligen „Ostblock“ kennengelernt und erfahren, dass diese mir emotional und mentalitätsmäßig oft viel näherstanden als z.B. die US-Amerikaner und andere „Westler“, die auch dort waren. In den folgenden Monaten war ich dann des Öfteren zu Besuch bei den neuen Freunden und Bekannten in der DDR, in Budapest und vor allem in Prag.

Private Besuche in die ČSSR waren damals noch eine ziemliche Prozedur. Man musste frühmorgens zur tschechoslowakischen Botschaft in die Wiener Penzingerstraße, Pass und Antrag bei einem kleinen Schalter abgeben und nach ein paar Stunden konnte man sich dort – hoffentlich – das Visum abholen. Dann die Zugfahrt – an der Grenze stiegen die tschechoslowakischen Grenzer zu, durchsuchten akribisch das Gepäck und kontrollierten alle Papiere, mulmige Momente. Als Geschenke hatte ich einmal englischsprachige Bücher – unter anderem „Animal Farm“ von George Orwell – mit, die versteckte ich sicherheitshalber auf der Toilette hinter einer Wandverkleidung. In Prag musste man sich, wenn man privat wohnte, innerhalb von 24 Stunden bei der Fremdenpolizei melden. Dort wurde man ausgefragt, was man vorhatte, bei wem man wohnte und welche Beziehungen man zu den Gastgebern hatte. Außerdem musste man den „Zwangsumtausch“ von Schilling in Kronen erledigen, ein bestimmter Betrag für jeden Aufenthaltstag.

Aber Gegenbesuche meiner Freunde in Österreich waren ungleich schwieriger und komplizierter – sie benötigten zu den Antragsformularen noch diverse Führungszeugnisse und Bestätigungen, unter anderem von der Universität, dass die Reise den Studienfortgang nicht gefährde, eine „Devisenbestätigung“ die zum Eintausch der erforderlichen Westwährung berechtigte, etc. – eine wochenlange Rennerei. Entsprechend emotional war nach der kurzen Besuchswoche der Abschied am Bahnhof Gmünd.

Der Eiserne Vorhang selbst – eine militärisch organisierte Grenzsicherungsanlage, die nicht nur die Freiheit der eigenen Bürger beschränkte, sondern an der immer noch Menschen starben – befand sich ein paar Kilometer im Landesinneren und war von Österreich aus kaum zu sehen. Er bestand bereits seit Jahrzehnten und war scheinbar unverrückbar, bis es im November 1989 plötzlich sehr rasch ging.