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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Vergolder und Staffierer - Ärzte der Heiligen

Ausstellungen und Veranstaltungen

Zwei Vergolder bei ihrer Tätigkeit

Das Diözesanmuseum St. Pölten ist Schauplatz der ersten Handwerksausstellung der Vergolder und Staffierer im deutschsprachigen Raum.

In weißem Mantel, mit Skalpell und feinem Werkzeug in der Hand, stehen zwei Männer über Arbeitstische gebeugt. Chirurgen – könnte man beim schnellen Betrachten der Schwarz-Weiß-Aufnahme vermuten. Am zweiten Blick entpuppen sich die Männer als Vergolder, die mit Konzentration und Akribie ihr Handwerk – in diesem Fall die Vergoldung von Statuen – ausüben. „Ärzte der Heiligen“ wurden sie daher auch genannt: Eine Ausstellung im Diözesanmuseum St. Pölten beleuchtet von 1. Dezember 2018 bis 2. Februar 2019 die Geschichte und Techniken der Vergolder und Staffierer.

Praktiziert wurde das Vergolden und Staffieren bereits seit der Antike, um Objekten den Anschein massiven Goldes zu geben. Im Barock und Rokoko war die Blütezeit dieser Techniken, aber auch im Jugendstil und Art Déco waren Fachleute, die dies beherrschten, hochgefragt. Mit dem Wandel in der Architektur nahm insbesondere ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Anwendung der Vergoldertechniken, und damit verbunden auch die Anzahl der Handwerksbetriebe, stark ab. Mit Aufnahme des Vergolderhandwerks in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Österreich im Jahr 2017 erfuhr das Handwerk wieder vermehrte Aufmerksamkeit.

Mit Fehhaarpinsel und Eiklar

„Die Königsdisziplin beim Vergolden ist die Polimentvergoldung, auch Branntweinvergoldung genannt“, erklärt Elfriede Edlmaier, Vergoldermeisterin aus Spital im Tullnerfeld, und zählt die einzelnen Arbeitsschritte auf: „Mit mehreren Schichten Kreide wird der zu vergoldende Untergrund grundiert, im Anschluss fein geschliffen und, wenn gewünscht, graviert. Dann wird das Poliment, ein Gemisch aus Erdpigment und Eiklar, aufgetragen und mit einer Mischung aus Alkohol und Wasser, der sogenannten ‚Netze‘, eingestrichen. Dazu verwendet man einen Fehhaarpinsel, das ist ein Pinsel aus den Ohrenhaaren eines Eichhörnchens. Zuletzt wird das Blattgold auf das Werkstück ‚angeschossen‘.  Bei Bedarf kann das vergoldete Objekt nach der Trocknung noch mit Achatstein poliert werden.“ Während die Polimentvergoldung nur in Innenräumen zur Anwendung kommt, wirddie wetterbeständige Ölvergoldung im Außenbereich verwendet. Das sogenannte Staffieren wiederum bedeutet das Bemalen von Figuren.

Der goldene Faden

Die Ausstellung im Diözesanmuseum St. Pölten, dem ältesten Diözesanmuseum Österreichs, spannt einen Bogen über die Geschichte und Techniken des Vergolder-Handwerks. Sie beleuchtet anhand ausgewählter Objekte vier Schwerpunkte: Kirchenvergoldung und -malerei, Bauvergoldung, Rahmenmacher sowie Möbel/Moderne Kunst und Design. Von Frau Edlmaier wird in der Ausstellung ein moderner Kirchentabernakel zu sehen sein. „Jede der vier Säulen, die aus massiver Eiche sind, steht für sich und trägt den Tabernakel. Durch die Abstände entsteht ein Kreuz und der Tabernakel, der in Polimentvergoldung ausgeführt wurde, wirkt, als ob er schweben würde.“  

Aus der Margarethenkapelle des Stiftes St. Peter in Salzburg wird die Rekonstruktion von einer der vier Tafeln des gotischen Altars in der Ausstellung zu bewundern sein. Das Relief zeigt die Geburt Christi. Historische Dokumente wie eine Urkunde aus dem Stadtarchiv Krems mit der ersten schriftlichen Nennung der Vergolder aus dem Jahr 1549 werden in der Ausstellung ebenso präsentiert wie Fotografien und Filmmaterial, die das Handwerk und die Entstehung von Objekten veranschaulichen.Auch zehn Objekte aus der Dauerausstellung des Diözesanmuseums werden in die Sonderschau, durch die ein „goldener Faden“ führt, einbezogen. Die Ausstellung findet im Zuge der jährlichen Krippenausstellung im Diözesanmuseum St. Pölten statt: Besucherinnen und Besucher können sich auf Krippen aus verschiedenen Sammlungen sowie auf Gemälde mit weihnachtlichen Motiven des Barockmalers Martin Johann Schmidt freuen. Das Diözesanmuseum St. Pölten bietet somit einen schönen Abschluss des Jubiläumsjahres „300 Jahre Kremser Schmidt“ und des Europäischen Kulturerbejahres 2018.

 

Ausstellung "Vergolder und Staffierer – Ärzte der Heiligen"

Diözesanmuseum St. Pölten, Domplatz 1, 3100 St. Pölten
1.12.2018-2.2.2019
www.dz-museum.at

Text: Karin Böhm