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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Stiftssammlungen - 23. Niederösterreichischer Museumstag

NÖ MuseenMuseumsmanagement Niederösterreich
Benediktinerstift Melk, Ansicht des Stiftsmuseums

Benediktinerstift Melk, Ansicht des Stiftsmuseums

Die außergewöhnlichen Sammlungen und neuen Projekte der Stiftsmuseen sind dieses Jahr Thema des Niederösterreichischen Museumstags, am 18. März 2018 im Stift Melk. Passend dazu ist im Schaufenster Kultur.Region ein Beitrag über Stifte und ihre Sammlungen erschienen.

Willkommenskultur

Die niederösterreichischen Stifte ziehen jedes Jahr Kulturbegeisterte aus aller Welt an.
 

Wer in den Sommermonaten dem Stift Melk einen Besuch abstattet, wird sich inmitten eines breiten Besucherstroms wiederfinden, der vom Führungspersonal fachkundig durch das Haus dirigiert wird. Das moderne Melker Stiftsmuseum ist eine Attraktion in sich selbst: Es wurde vom Bühnenbildner Hans Hoffer gestaltet, der als einer der Ersten szenische Gestaltungen und theatralische Effekte in Ausstellungen verwendete. Den Besuchenden wird ein kunstvoll inszenierter Weg durch die Geschichte Melks gelegt. 

Museale Qualität und lebendiges Kloster 

Das Stift mit seiner herausragenden Architektur und seinen prunkvollen Sälen hat als Ganzes museale Qualität. Aber das Haus ist vor allem ein lebendiges Kloster. Das mag fast wie ein Widerspruch erscheinen. In Wahrheit sind die Stifte aber nie bloß Orte der Zurückgezogenheit oder gar Weltfremdheit gewesen. Im Gegenteil erfüllten die alten Klöster von jeher wichtige politische und wirtschaftliche Funktionen.
Bevor Melk ein Kloster wurde, war es schon eine Burg der Babenberger, die im hohen Mittelalter in der österreichischen Mark regierten. Die Herrscher bestifteten das junge Kloster, verwendeten es als ihre Residenz und ließen sich hier begraben – an der Seite des heiligen Koloman, des ersten Landespatrons Niederösterreichs. Es waren auch die ersten Babenberger, die den Melker Benediktinern kostbare Reliquien übergaben, darunter eine Partikel vom Kreuz Christi. In der Vorstellung des mittelalterlichen Menschen versinnbildlichte dieser Gnadenschatz eine besondere Nähe zum Heilsgeschehen. Das sogenannte Melker Kreuz gehört bis heute zu den größten Kostbarkeiten des Hauses. Es ist nicht nur ein Kunstobjekt, sondern auch ein Objekt der Verehrung. Wer das Stift besucht, ist also nicht nur eingeladen, die künstlerische Schönheit der ausgestellten Schätze zu genießen, sondern auch dem religiösen Geist, der dahintersteht, zu begegnen.

Sammeln über Jahrhunderte

Seit Jahrhunderten wird in Klöstern gesammelt: Kunstwerke in den Schatzkammern, Raritäten in den Kunst- und Wunderkammern, wertvolle Handschriften, Zimelien und Drucke in den Bibliotheken, historische Münzen in den Numismatischen Kabinetten und vielfältige Kollektionen von getrockneten Pflanzen über ausgestopfte Tiere bis zu raren Mineralien in den naturhistorischen Studiensammlungen.
Im Kloster schuf man damit ein kleines Abbild der Schöpfung, die der Mensch bewahren, pflegen und vollenden soll. Kunst und Wissenschaft gelten im Kloster von jeher als gottgefällige Werke. Jeder Gast ist eingeladen, daran teilzuhaben.


Gastfreundschaft

Gastfreundschaft ist eine alte klösterliche Tugend. Die niederösterreichischen Stifte pflegen eine besondere Willkommenskultur. Gäste können Stiftsmuseen mit außergewöhnlichen Kunstwerken besichtigen wie in Melk und Klosterneuburg oder wertvolle Gemälde aus allen Epochen entdecken wie in der Stiftsgalerie Seitenstetten. Viele Stifte zeigen ihre interessanten Sammlungen in Sonderausstellungen wie etwa das Stift Göttweig herausragende Werke seines Graphischen Kabinetts. In Stift Altenburg werden archäologische Ausgrabungen – „das Kloster unter dem Kloster“ – präsentiert.
In allen Stiften gibt es Räume, die keiner aufwändigen Inszenierung bedürfen, weil sie schon im Originalzustand einen überwältigenden Eindruck hinterlassen. Man denke an Göttweigs Kaiserstiege unter dem Himmelszelt des Trogerfreskos oder an die intime Schönheit der mittelalterlichen Kreuzwege in Heiligenkreuz oder Zwettl. Die Gäste werden nicht nur durch Ausstellungsräume geführt, sondern erhalten Einblick in verschiedene Bereiche des Klosters: Bibliotheken, Kapitelsäle, Chorkapellen und Refektorien. In Stift Herzogenburg gibt es Schwerpunktführungen durch die Sakralräume oder durch die Sammlungen und Studiensäle. Bei den Kinderführungen in Stift Lilienfeld darf man sogar einen Mönchshabit anlegen und an einer Abtwahl teilnehmen.


Zehn Stiftsmuseen

In Niederösterreich gibt es zehn Stifte, deren Stiftsmuseen, Sammlungen und historische Innenausstattungen besichtigt werden können: vier Benediktinerabteien (Altenburg, Göttweig, Melk und Seitenstetten), drei Zisterzienserklöster (Heiligenkreuz, Lilienfeld und Zwettl), zwei Chorherrenstifte (Herzogenburg und Klosterneuburg) und ein Prämonstratenserstift (Geras). Neukloster mit seiner 2017 eröffneten Kunst- und Wunderkammer ist ein Priorat, das zum Stift Heiligenkreuz gehört. In den Klöstern ist man aber mehr als nur Museumsbesucher: Man wird als Gast willkommen geheißen. Die Stifte laden während der Saison (von April bis Oktober) ihre Gäste ein, am Mittagsgebet der Klostergemeinschaft teilzunehmen oder einfach nur zu lauschen. So kann man seinen Museumsbesuch mit einer kleinen „Auszeit“ verbinden.

Text: Helga Penz

 

Dieser Beitrag ist im Schaufenster Kultur.Region in der Ausgabe Februar 2018, Seite 42-43 erschienen.

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