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Museumsmanagement on Tour: MuseumNext in London

Scott Stulen bei der MuseumNext-Konferenz in London

Scott Stulen bei der MuseumNext-Konferenz in London

Im Rahmen des Studienprogramms Erasmus+ absolvieren die MitarbeiterInnen des Museumsmanagement Fortbildungen, um am Puls der Zeit zu bleiben und sich Inspiration für ihre Tätigkeiten zu holen. Von 18.-20. Juni 2018 durfte ich „MuseumNext“ in London besuchen. Seit 2009 treffen sich bei dieser Konferenz jährlich Museumsfachleute aus der ganzen Welt, um über die Frage zu diskutieren: „What’s next for museums?“. Renommierte ExpertInnen berichten über aktuelle Entwicklungen im Museumssektor, stellen besondere Projekte oder Herangehensweisen vor und diskutieren über Zukunftsszenarien für Museen.

Resümee

Zwei Tage, 17 Vorträge, elf „Five-Minutes-Talks“, eine Opening Reception im Postal Museum, ein Abendempfang im Natural History Museum, unzählige Museumsbesuche und viele interessante Gespräche. Um einen kurzen Einblick zu geben, möchte ich drei Highlights aus den Vorträgen vorstellen:

 

OFBYFOR ALL

Die Konferenz wurde von Nina Simon, Executive Director im Santa Cruz Museum of Art and History, eröffnet, die 2010 mit ihrem Buch “The Participatory Museum“ ein Plädoyer für Besucherbeteiligung in Museen verfasst hatte (das Buch kann übrigens zur Gänze online gelesen werden).

In London stellte sie ihre neue Initiative OFBYFOR ALL vor: Ziel dieser Initiative ist es, die „Community“ sehr stark in die Museumsarbeit einzubinden und dass die Museen eine starke und aktive Rolle in der Gesellschaft spielen. Dies gelingt laut Nina Simon dann, wenn die Interessen der Menschen mit jenen des Museums übereinstimmen, wenn die potentiellen MuseumsbesucherInnen als Freunde und Nachbarn gesehen werden und wenn das, was im Museum passiert, den Menschen Freude bereitet und ihnen nutzt. Ein solches Zusammenspiel bereichert und stärkt im Idealfall beide Seiten – die Gesellschaft und die Museen. Auf der Website kann ein Selbsteinschätzungtest gemacht werden, um herauszufinden, wie sehr die eigene Organisation in der Community verankert ist. 

“When diverse people feel like community organizations are OF their interests, created BY their friends and neighbors FOR their use and enjoyment, they get involved and invested”.
Nina Simon

Informationen:
Nina Simons Rede bei MuseumNext zum Nachhören 
www.ofbyforall.org
Santa Cruz Museum of Art and History, Kalifornien 

 

„The most punkrock thing I ever did was become a museum director”

In einem unterhaltsamen und kurzweiligen Vortrag berichtete Scot Stulen über seine doch eher unkonventionelle Vorgehensweise bei der Neupositionierung des Philbrook Museum of Art in Tulsa, Oklahoma, das er – vormals DJ, Künstler und Kurator – als Direktor übernommen hatte.

Ziel war, das Museum zu einem pulsierenden, relevanten Ort für die Menschen zu machen, und auch jene Menschen zu erreichen, die sonst nicht in Museen gehen. Das versuchte er mit Maßnahmen, die laut seinen Aussagen schon viele neue BesucherInnen gebracht haben:

  • Im 10 Hektar großen Garten, dessen Rasen bis dahin nicht betreten werden durfte, wurden neue „Regeln“ aufgestellt: „Roll down the hill“. „Bring a mat. Do yoga.“ „Picnic in the garden.” “Be a statue. Take a pic. Share with #philbrook.”

  • Regelmäßige Events wie Burger Nights, Filmabende, Familiensamstage werden veranstaltet.

  • “Me time Mondays”:  An Schließtagen können BesucherInnen gegen Voranmeldung das Museum alleine besuchen und die Kunstwerke in Ruhe auf sich wirken lassen.

  • Jede/r Lehrer/in in Oklahoma und alle Kinder bekommen freien Eintritt in das Museum.

Informationen:
Scott Stulens Rede bei MuseumNext zum Nachhören 
Philbrook Museum of Art in Tulsa, Oklahoma 

 

„Play Africa“: Kinder im Mittelpunkt

Im Jahr 2012 hatte die Journalistin Gretchen Wilson-Prangley die Vision, das erste Museum für Kinder in Südafrika zu gründen. Obwohl die Pläne für einen großen Museumsneubau bis dato nicht realisiert werden konnten, stellte Wilson-Prangley mit „Play Africa“ eine große Bewegung auf die Beine, mit dem Ziel, „to help create engaged citizens and healthy communities by inviting all visitors to discover new worlds, to wonder, to ask questions, and to imagine a better future through interactive, hands-on exhibits, programming and play”.

Um die Kinder zu erreichen, gehen Wilson-Prangley und ihre engagierten KollegInnen mit Ausstellungen und Projekten direkt zu den Familien und Kindern im Großraum Johannesburg: In Parks, auf Spielplätzen, in Schulen und Community Centers können sich Kinder, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Alter, spielerisch mit Themen auseinandersetzen, sie können lernen, experimentieren, kreativ und handwerklich tätig werden, malen, bauen und wachsen.

Nach vielen Anstrengungen konnte schließlich auch eine kleine Location gefunden werden, wo regelmäßig Programme für Kinder – für (Schul-)Gruppen genauso wie für Familien – stattfinden.

So werden Voraussetzungen geschaffen, dass Kinder gestärkt, Barrieren und Diskriminierung abgebaut werden und ein Beitrag zu einem besseren Südafrika geleistet wird.

Informationen:
Gretchen Wilson-Prangleys Rede bei MuseumNext zum Nachhören 
Play Africa 

 

Text: Karin Böhm