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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

8er-Jahre - Zwischen Krieg und Frieden

NÖ MuseenAusstellungen und Veranstaltungen
Briefmarken

Von Krieg und Frieden, von Verfolgung und Gleichberechtigung: Wer Interesse an Geschichte hat und sich dabei besonders in die regionale Geschichte vertiefen will, kann dieses Jahr aus einer Fülle von zeitgeschichtlichen Ausstellungen und Veranstaltungen wählen.

Neben dem bedeutenden Jahr 1918, in dem der Erste Weltkrieg endete, wird heuer weiterer „8er-Jahre“ gedacht, unter anderem der Einführung des Frauenwahlrechts 1918, des „Anschlusses“ und der Novemberpogrome 1938 sowie der 68er-Bewegung. Dieser Einblick in die Veranstaltungs- und Ausstellungsvielfalt in den einzelnen Vierteln verdeutlicht, dass sich die Museen und Sammlungen in besonderem Maß an den Jubiläen und der Aufarbeitung der Zeitgeschichte im Land beteiligen.


Waldviertel

In Schloss Artstetten dreht sich alles um Erzherzog Franz Ferdinand. Neben der neuen Dauerausstellung „Durchs Schlüsselloch: Geschichte erzählt! Erzherzog Franz
Ferdinand und der Erste Weltkrieg“ ist auch die deutsch- und tschechischsprachige Ausstellung „Auf den Spuren Franz Ferdinand d’Este“ zu sehen.


Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg erfolgte im Krahuletz-Museum in Eggenburg. In einer Ausstellungsreihe wurde jedes Jahr ein anderer
Aspekt des Themas herausgearbeitet. Die Serie endet nun mit dem 5. Teil „Die große Not – Die 1. Republik“ und behandelt das Ende des Krieges. Die Sonderausstellung veranschaulicht die Versorgungsnot und die Erschöpfung der Bevölkerung nach der jahrelangen Kriegsführung bis zur Unterzeichnung des Waffenstillstands und der Ausrufung der Republik Deutschösterreich.


Mit Kurzdokumentarfilmen, Originaldokumenten und Bildreproduktionen zeigt das Erste Österreichische Museum für Alltagsgeschichte in Neupölla in der aktuellen Sonderausstellung die Geschichte der jüdischen Bevölkerung im Waldviertel (bis 30. September). Begleitend ist die reich illustrierte Publikation „Jüdische Familien im Waldviertel und ihr Schicksal“ entstanden.


In die 1960er-Jahre taucht man in Weitra ein. Die Alte Textilfabrik in Weitra zeigt unter dem Titel „Love & Peace. Die Welt trägt Blume“ mit vielen Leihgaben aus der Bevölkerung die Mode der Sechziger. Neben passender Musik kann man sich in alte Modezeitschriften vertiefen.


Weinviertel

Wie gestaltete sich der Unterricht in der Zwischenkriegszeit und welche Veränderungen gab es? Wie war die Lage der Kinder zu dieser Zeit und warum wurden Spucknäpfe verwendet? Die Michelstettner Schule gibt in der aktuellen Sonderausstellung Antworten auf diese Fragen.

Ab Mitte September ist im Stadtmuseum Korneuburg  die Ausstellung „Die Werft 1938 bis 1945“ zu sehen, in der die Auswirkungen des NS-Regimes auf die Belegschaft und die Produktion der Werft behandelt werden.

Anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht widmet sich das museumORTH zwei Frauenpersönlichkeiten, die eng mit Orth verbunden sind: Caroline Bonaparte, der jüngsten Schwester von Napoleon, die ihr Exil in Orth verbrachte, und Annie Rosar, einer Schauspielerin mit Wurzeln in Orth.

Die Ausstellung „Karl & Zita – Im Schatten der Geschichte“ im Barockschloss Eckartsau folgt den Spuren des letzten Kaiserpaars in Österreich. Das Schloss war der letzte Wohnsitz der kaiserlichen Familie, den es 1919 Richtung Schweizer Exil verließ.


Mostviertel


Das Museum Niederösterreich, Haus der Geschichte zeigt seit der Eröffnung letzten Jahres die Ausstellung „Die umkämpfte Republik – Österreich 1918–1938“. Eine ideale Ergänzung dazu bildet das Format „Erzählte Geschichte“, zu dem Zeitzeugen eingeladen werden, um von ihren Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten. Am 16. Oktober um 18 Uhr spricht unter anderem Chris Lohner über „1918–2018: Das Jahrhundert der Frauen“.

Wie hat sich der Zerfall der Monarchie auf die jüdische Bevölkerung ausgewirkt? Wie hat sie sich in den Nachfolgestaaten neu orientiert, sei es politisch, sprachlich oder in ihrer Religionspraxis? In der ehemaligen Synagoge in St. Pölten ist bis 6. Oktober die Ausstellung „Verwischte Grenzen. Jüdische Verortungen nach 1918“ zu sehen, die diesem Thema nachgeht.

Welchen Einfluss der Erste Weltkrieg auf eine Künstlerpersönlichkeit hatte, dem geht das Oskar-Kokoschka-Dokumentationszentrum in Pöchlarn nach. In der aktuellen Sommerausstellung „Oskar Kokoschka. Krieg – Flucht – Frieden“ wird die Biografie des Künstlers in Zusammenhang mit dem Krieg beleuchtet. Kokoschka meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst, wurde in das k. u. k. Dragonerregiment aufgenommen und wandelte sich dann zum bekennenden Pazifisten, der sich für Hilfsaktionen zugunsten von Kindern einsetzte.

Neben historischen Ereignissen werden auch Künstler-Jubiläen, wie der 300. Geburtstag Kremser Schmidts und der 100. Todestag Egon Schieles, mit Sonderausstellungen gewürdigt. Zu Letzterem zeigt das Museum Region Neulengbach bis 2. Dezember Objekte aus der Sammlung Gradisch. Zu sehen ist auch eine der drei originalen Totenmasken Schieles von Gustinus Ambrosi.

Hainfeld Museum  in einer Sonderausstellung ab Ende Oktober thematisiert wird. Im Rahmen derer erfahren Besucherinnen und Besucher auch, wie sich der Anschluss 1938 auf Hainfeld ausgewirkt hat.

Industrieviertel


„Marschieren, Demonstrieren, Applaudieren. Demokratie und Öffentlichkeit ab 1918“ – das ist der Titel der aktuellen Sonderausstellung im Industrieviertel-Museum Wiener Neustadt (bis 6. Oktober). Das Museum nimmt dabei das Thema der Massenpolitik, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgekommen ist, in den Fokus und zeigt deren Entwicklung bis in das 20. Jahrhundert.

Das Dr. Karl Renner-Museum für Zeitgeschichte im ehemaligen Wohnhaus Renners zeigt bis Oktober die Ausstellungen „Die Republik Deutschösterreich – Der Rest zwischen Krieg und Frieden“ und ergänzend bis Dezember „Briefmarken – Marker der Veränderung 1918–1938“.

Wie haben sich die Jahre 1918 und 1938 auf die Stadt Klosterneuburg ausgewirkt und welche lokalen Ereignisse fanden statt? In einer gemeinsamen Ausstellung des Stadtarchivs und des Stadtmuseums Klosterneuburg kann man ab 24. November Näheres dazu erfahren.

Von 1917 bis 1918 war in Baden das Allerhöchste Hoflager und das k. u. k. Armeeoberkommando eingerichtet. Kaiser Karl I. befehligte vom Kaiserhaus in Baden aus die Armeen der Habsburgermonarchie, wo man bis 4. November die Ausstellung „Baden Zentrum der Macht 1917–1918“ ansehen kann.

Das Museumsmanagement Niederösterreich liefert ebenfalls einen Beitrag zum Gedenkjahr. Im November erscheint eine Publikation zu den in Niederösterreich vorhandenen Kriegssammlungen zum Ersten Weltkrieg und zum einstigen „Kriegsmuseum Retz“.

Text: Barbara Kohl

 

INFORMATION

www.noemuseen.at
www.gedenkjahr2018.noel.gv.at
www.oesterreich100.at

Schaufenster Kultur.Region


Dieser Beitrag ist im Schaufenster Kultur.Region in der Ausgabe September/Oktober 2018, Seite 38-39 erschienen. Das PDF der Ausgabe finden Sie hier, außerdem können Sie das Archiv durchblättern.

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