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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Zum Lachen ins Archiv

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Historische Dokumente, Fotografien und Darstellungen von Figuren auf einer Präsentationsfläche in einem Museum. Im Hintergrund hängen gerahmte Gemälde an der Wand.

Neue Ausstellung: Der rekonstruierte historische Tafelaufsatz

Das Stift Zwettl blickt auf 888 Jahre Geschichte zurück und somit auf viele unterhaltsame wie auch berührende Geschichten, die das Leben so schreibt.

Wie bitte, im Archiv wird gelacht? „Sehr oft sogar“, meint Andreas Gamerith, Archivar und Bibliothekar von Stift Zwettl. Sagt es und greift mit verschmitztem Lächeln zu einem grauen Karton. Ich hoffe auf kuriose Objekte, doch was ich sehe, ist auf den ersten Blick eher ernüchternd: Kopien von Briefen, Fotos von Dokumenten.

Wo steckt dieses Lachen denn nun? Bleibt es doch im Hals stecken? Nein, denn:

„Im Archiv lacht dir das Leben entgegen!“

(Andreas Gamerith, Archivar und Bibliothekar des Zisterzienserstifts Zwettl)

Nicht ausschneiden!

Der Zisterzienserorden folgt der Regel des Heiligen Benedikt und damit dessen berühmtem Motto „Ora et labora et lege!“, also „Bete und arbeite und lies!“. So entwickelte sich auch im Stift Zwettl ab dem späten 12. Jahrhundert ein eigenes Skriptorium, eine Schreibstube, in der Texte verfasst, kopiert und vor allem mit farbenfrohen und detailreichen Initialen geschmückt wurden. Auch die fleißigen Schreiber sehnten sich manchmal nach etwas Abwechslung und Unterhaltung und sorgten gleich selbst dafür.

So findet sich im Zwettler Codex 214, an dessen Einband sich sogar die historische Kette erhalten hat, eine recht kreative Kritzelei eines Mannes, der am Rücken liegt. Über ihm ein – ja, was? Andreas Gamerith vermutet, es könnte sich um einen Gelehrten mit einem Gürtelbuch handeln, dem praktischen mittelalterlichen „Taschenbuch“, das man um die Taille befestigt trug. Auf diese Weise blieben die Hände beim Transport frei und die Lektüre war immer griffbereit. Oder fühlte sich unser Schreiberling gar von der Last seiner verantwortungsvollen Tätigkeit erdrückt?

Bleiben wir noch bei den schönen Handschriften. Deren aufwändige Verzierungen gefallen nicht nur uns heute. Schon früher sorgten sie für Aufmerksamkeit und weckten die Sammelleidenschaft. Dank der Stifterin Jutta Tursina von Lichtenfels (nachgewiesen 1266) erfolgte die Schenkung eines kostbaren Psalters, eines Gebets- und Gesangsbuchs, an das Stift Zwettl. Neben dem Bildnis der Stifterin ist extra darauf hingewiesen, dass dieses Buch „niemals verkauft werden“ und offensichtlich zum Leidwesen so mancher „auch nicht die Bilder, die es enthält, herausgeschnitten werden dürfen“.

 

Beförderung himmelwärts

Was ist ein Kloster in Niederösterreich ohne eigene Weingärten? Richtig: unvorstellbar! Das gilt auch für das Stift Zwettl, das dank einer frommen Stiftung im Jahr 1181 Weingärten bei Langenlois bis heute sein Eigen nennt. Dort findet sich auch der weithin bekannte Heiligenstein. Ursprünglich trug er den weniger schmeichelhaften Namen „Höllenstein“, wohl wegen der großen Hitze, die im Sommer an dessen Südhängen herrschte und den Wein schon damals besonders gut gedeihen ließ. Doch der Name vertrug sich mit der Profession der neuen Besitzer und seiner Funktion als Messgetränk gar nicht. So wurde der Hang kurzerhand umgetauft, befördert, könnte man sagen.

Leider wurde dem guten Tropfen manchmal zu bereitwillig zugesprochen. Abt Berthold Gamerith etwa musste im Jahr 1828 wegen seiner Trunksucht des Amtes enthoben werden. Tragisch genug: Selbst das Dekret zur geforderten Abdankung konnte ihm nicht in nüchternem Zustand überreicht werden. Im frühen 18. Jahrhundert verlagerte sich das Zentrum der Zwettler Weinwirtschaft nach Nußdorf bei Wien. Der dort gekelterte „Nussberger“ galt als einer der Top-Weine seiner Zeit und war nicht nur bei Künstlern eine gern gesehene Draufgabe auf das vereinbarte Honorar.

Unfreiwillige Geberfreude

Nicht nur mit Wein war Stift Zwettl in der Nähe von Wien prominent vertreten, sondern auch mit Einrichtungsgegenständen. Gänzlich unfreiwillig, versteht sich. Doch blieb man von der Ausstattungsfreude von Kaiser Franz II. nicht verschont und „durfte“ im Jahr 1799 das spätgotische, 1.680 Kilogramm schwere Sakramentshaus der Stiftskirche für die Franzensburg im Schloss Laxenburg als Altar der Kapelle beisteuern. Auch recht kuriose Stücke wie Dreschflegel der aufständischen Rudmannser Bauern folgten. Schließlich wurde die geschnitzte, reich verzierte Renaissancedecke dem Stift abgebettelt, als Zierde für den Thronsaal der Franzensburg.

Abt Stephan Rössler unternahm verschiedene Versuche, die Kunstwerke zurückzuerlangen, doch vergebens. Im Ablehnungsschreiben steht zu lesen: „Diesem Gesuche kann, nachdem die Franzensburg vorläufig nicht aufgelassen wird, nicht entsprochen werden.“ Dieses Schicksal teilt sich Stift Zwettl übrigens mit einigen anderen niederösterreichischen Schlössern und Klöstern!

Ein Buch für Beter und Beterinnen

Im Bestand der Stiftsbibliothek von Zwettl findet sich ein Gebetbuch zu Ehren des hl. Joseph aus dem Jahr 1745. Schön illustriert mit einem fein gearbeiteten Kupferstich, der möglicherweise auf eine Ölskizze von Paul Troger zurückgeht, die noch weiter zu erforschen sein wird. Das ist an sich schon ein recht interessantes Faktum. Für überraschtes Schmunzeln sorgt heute die umsichtig angesprochene Zielgruppe: „So nehme mich dann auf zu deinen ewigen Diener (Dienerin).“ Gendern im 18. Jahrhundert! Für die Herausgeber des Buches war offensichtlich klar, dass sich Leserinnen bei rein männlicher Ansprache nicht mit dem Text identifizieren würden.

Das Gebetsbuch entstand zur Regierungszeit von Maria Theresia. Vielleicht steckte ja sie, die sich in einer Männerwelt behaupten musste, hinter dieser modern anmutenden Formulierung?

Willkommen in der barocken Gerüchteküche!

Zum Abschluss unserer Reise durch Archivgeschichten erwartet mich ein historischer Skandal. Im tschechischen Zisterzienserkloster Plasy, etwa 240 km von Zwettl entfernt, herrschte der typisch barocke Bauwurm und so beauftragte man mit Neu- und Umbauten Giovanni Biagio Santini-Aichl, einen der bedeutendsten Architekten Böhmens. Dieser galt mit seinen fantasievollen, exzentrischen Variationen gotischer Architektur und den auffälligen, ungewöhnlichen Formen als Trendsetter und war schon zu Lebzeiten ein Star. Auch seine Honorare waren entsprechend hoch.

Wie so oft wurde auch in Plasy nur ein Bruchteil des ursprünglichen Plans umgesetzt, so der Kapitelsaal und der Konventtrakt. Die Bauarbeiten zur Klosterkirche konnten nicht einmal mehr begonnen werden und schließlich fiel auch dieses Kloster der Aufhebung durch Kaiser Joseph II. zum Opfer. Schade, doch wo bleibt der Skandal?

Dazu begeben wir uns zurück nach Zwettl ins Jahr 1722. Der damalige Abt Melchior von Zaunagg ist bekannt für seine Bauleidenschaft. Auch er frönt dem modernen Barockstil und will alles Althergebrachte, Traditionelle für „sein“ Kloster hinter sich lassen. Groß ist der Aufruhr im Konvent, denn es kursiert bereits ein Plan für eine Großbaustelle: Abriss der gotischen Stiftskirche, Neubau des gesamten bestehenden Klosters. Eine Horrorvorstellung für die Mönche. Sie sehen sich schon auf einer ewigen Baustelle leben, beständig umgeben von Lärm, Staub und Schmutz, von den exorbitanten Kosten ganz zu schweigen. Einer der Konventualen kann sich nicht mehr zurückhalten und verfasst wutentbrannt ein Beschwerdeschreiben, anonym, sei dazu gesagt, denn seinen Namen darunter zu setzen, traut er sich dann doch nicht.

Heute wissen wir, dass der Bauplan für Plasy nach Zwettl gelangt war und für jenen für den Klosterneubau im Waldviertel gehalten wurde. Über die Hintergründe dieses Irrtums lässt sich nur spekulieren, ebenso über die tatsächlichen Ideen von Abt Melchior. Handelte es sich um bewusst gestreute „Fake News“? Sponn jemand eine Intrige? Hatte sogar der berühmte Jakob Prandtauer seine Finger im Spiel? Als gesichert gilt, dass der anonyme Brief wohl maßgeblich zum Erhalt des gotischen Juwels Stift Zwettl beigetragen hat. Mehr zu diesem Archivkrimi erfährt man in der neuen Sonderausstellung „Der Santini-Skandal“ im Stift Zwettl ab 27. Juni 2026, die im Audioguide-Rundgang inkludiert ist.

Viele weitere unterhaltsame und berührende Geschichten aus dem Archiv des Lebens erzählt die neue Ausstellung im Kabinett von Stift Zwettl. Diese kann bei der täglichen Bibliotheksführung besucht werden.

Text: Andreas Gamerith und Barbara Linke

Weiterführende Links:

 

Die Online-Sammlung der Schatzkammer von Stift Zwettl

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