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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Wundertaten in Wort und Bild

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In persönlichen Notsituationen sehnt sich der Mensch nach göttlichem Beistand. Wo könnte er sich dieses Beistandes sicherer sein als an einem Ort, der für seine Gnadenerweise und Heilungen bekannt ist und Wallfahrerinnen und Wallfahrer mit ihren unterschiedlichen Anliegen anzieht?

Um eine Bitte zu verdeutlichen, für eine bereits überstandene Notsituation Dank zu sagen oder für ein zukünftiges Ereignis Segen zu erflehen, hinterlässt die Wallfahrerin, hinterlässt der Wallfahrer eine Votivgabe am Gnadenort. Das Wort Votivgabe leitet sich vom lateinischen Begriff ex voto ab und bedeutet „aus einem Gelöbnis heraus“. Eine Vielzahl von Votivgaben ist mit dieser lateinischen Formel bezeichnet. 

Das Opfer ist dem sozialen Stand der Votantin/des Votanten angepasst, weswegen die Bandbreite von Gemälden über Schmuck, Knochenstücke, Silbervotive und Fotos bis hin zu Wachskerzen reicht. Jeder denkbare Gegenstand kann theoretisch als Votivgabe gespendet werden. Definiert wird diese nicht durch ihr Aussehen, sondern durch den Akt der Votation bzw. in den meisten Fällen durch eine Inschrift, ein Datum und oftmals durch den Namen der Votantin/des Votanten sowie den Herkunftsort.

Der Gegenstand spielt demnach im eigenen Leben der Stifterinnen und Stifter eine wichtige Rolle, hat einen immateriellen oder materiellen Wert und steht stellvertretend für ein einschneidendes persönliches Erlebnis. Nur wenige Objektquellen berichten so ausführlich, eindrücklich und unverfälscht von den Sorgen und Nöten der Menschen aller sozialen Schichten sowie aus einem breiten geografischen und teilweise überregionalen Raum.

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Die Schatzkammer Maria Dreieichen als eigens eingerichteter und entsprechend ausgestatteter Raum soll den Votivgaben einen würdigen Platz bieten. Ihre direkte Lage in der ursprünglichen Gnadenkapelle und in der Nähe der wundertätigen Eichenstämme ist bezeichnend für den Stellenwert der Votivgaben im barocken Gesamtkonzept des Kirchenneubaues.

Im Laufe der Jahrhunderte sind durch zeitweilige Wallfahrtsverbote und Einschränkungen, politische Begleitumstände sowie durch den sorglosen Umgang viele Votivgaben verloren gegangen. Der heutige Bestand kann daher nur mehr einen bruchstückhaften Einblick in die ehemalige Vielfalt bieten.

Besonders hervorzuheben sind die unzähligen Silbervotive, die in dichter Anordnung in eigens dafür gefertigten barocken Vitrinenkästen ausgestellt sind. Auch in Silber gefasste Zähne oder Knochensplitter erzählen vom göttlichen Beistand bei gesundheitlichen Problemen.

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Nicht nur Einzelpersonen, auch Gemeinden und Dörfer verloben sich nach Maria Dreieichen. Große Votivbilder, die teilweise immer wieder erneuert wurden, zeugen von den wiederkehrenden Besuchen der Votantinnen und Votanten.

Maria Dreieichen zieht Wallfahrerinnen und Wallfahrer südlich und nördlich der Thaya, aus dem nördlichen Niederösterreich, aber auch aus Mähren (überwiegend die dort ansässigen „Deutschmährer“) an. Die Schatzkammer beherbergt einige Votivbilder, die aus der Region Hostlitz (tschechisch: Hostěradice) sowie aus Znaim stammen.

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Teilweise beherbergt die Schatzkammer nach heutigen Maßstäben skurril anmutende Objekte wie beispielsweise Küchenmesser, Blasensteine oder  Sehbehelfe.
Erhaltene Modeln für die Wachsgewinnung zeugen vom regen Verkauf der Wachsvotive, die man direkt vor Ort für die Schatzkammer erwerben konnte.

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Die beiden Kronen stammen vermutlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, sind Teil des Schatzkammerbestandes und waren in den barocken Vitrinenkästen jeweils mittig im Zentrum angeordnet.

Votivgaben aus dem 20. und 21. Jahrhundert demonstrieren, dass sich Menschen mit ihren Anliegen nach wie vor auf den Weg nach Maria Dreieichen machen.

Die Sammlung wurde in den letzten Jahren inventarisiert und soll zukünftig nach diversen Objektrestaurierungen neu präsentiert werden. Dabei fungiert die Schatzkammer nicht als Museum, sondern als lebendige Gedächtnisstätte für viele Einzelschicksale. Die Bedeutung der Objekte entsteht nicht durch ihren kunsthistorischen Wert, sondern durch ihr Andenken.

 

Text: Barbara Taubinger
Leiterin Museum und Denkmalpflege Diözese St. Pölten

 

Informationen und weiterführende Links:

 

 

Objekte der Schatzkammer Maria Dreieichen

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