♪ Wie die Trompete zur Blasmusik kam ♪
Die Trompete ist eines der bekanntesten und beliebtesten Blasinstrumente, nicht nur in Österreich. Wie kam es dazu, dass dieses Instrument in der Blasmusik so populär wurde?
Unsere reich bebilderte digitale Ausstellung lädt dazu ein, die Geschichte der Trompete von ihren Ursprüngen zur heutigen Form nachzuverfolgen. Ausgewählte Objekte aus Regionalmuseen wie dem Museum Retz, dem Richard Simoncic-Museum in Rabensburg und dem Weinviertler Museumsdorf Niedersulz veranschaulichen, wie sich dieses Instrument zum Publikumsliebling entwickelt hat.
Erste Töne
Gesang und die daraus entstandene Musik dienten den Menschen schon früh zur Kommunikation und zum Ausdruck von Gefühlen. Erste Instrumente aus Naturmaterialien wie Tierhörner oder Schnecken bereicherten die Musik durch die Möglichkeit, verschiedene Naturtöne zu produzieren. Die ersten Hörner aus Horn wurden für einfache Signale oder bei religiösen Ritualen verwendet, wie das Schofar aus Widderhorn in der jüdischen Tradition. Sie sind der Ausgangspunkt der weiteren Entwicklung der Blechblasinstrumente. Nach diesem Vorbild stellten Schmiede in der Bronzezeit Blechblasinstrumente aus Metall, meist aus Messing, her.
Signaltrompete
Ab diesem Zeitpunkt trennt sich die Entwicklung der Instrumentengruppe der Bügelhörner, zu denen trompetenähnliche Instrumente zählen, und die der Waldhörner: Die als Bügelhorn bezeichnete Instrumentengruppe wird mit einem kesselförmigen Mundstück gespielt und hat einen zylindrischen Rohrverlauf, Waldhörner hingegen werden auf trichterförmigen Mundstücken gespielt und haben einen konischen Rohrverlauf. Aber beide der frühen Vorgänger der heutigen Instrumente werden als Signalinstrument eingesetzt, da aufgrund des auf die Naturtöne beschränkten Tonumfangs nicht viele Töne produzierbar sind: Jagdhörner geben Informationen innerhalb der Jagdpartie weiter und Posthörner kündigen die Ankunft der Postkutsche an. Die Signaltrompete hingegen wird vorwiegend im Militär eingesetzt und verkündet Befehle in der Schlacht wie Truppenbewegungen oder Angriff. Diese frühe Form der Trompete ist ventillos, weshalb nur die natureigenen Töne der Obertonreihe gespielt werden können. Deshalb sind Signale wie das Ankündigungssignal auf den Tonumfang bis zum achten Naturton beschränkt. Die Signaltrompete ist Verkünder der Autorität, was den Trompeter zu einer geschätzten Person machte, und blieb lange eine dem Heer vorbehaltene Ehre, bis auch am Hof eigene Trompeter angestellt wurden.
Naturtrompete
Die Trompetenmusik im Barock bedient sich der Symbolik des autoritären Befehlsinstruments in der Schlacht und des Verkünders des Jüngsten Gerichts. Die Naturtrompete wird mit einem Kesselmundstück gespielt und ist auf den Tonumfang der Obertonreihe der langen Hauptwindung begrenzt. Das Schallstück deutscher Trompeten dieser Zeit ist mit einem Knauf versehen. Die enge, lange Mensur (durchschnittlicher Innendurchmesser 10,6 mm im 18. Jahrhundert) macht den Klang der Naturtrompete charakteristisch klar im hohen Register und bedrohlich zischend in der tiefen Lage. Durch das längere Rohr sind mehr Töne spielbar: klassische Orchesterstimmen reichen bis zum 13. Naturton, also bis in das Register, in dem die Naturtöne eine Tonleiter ergeben, barocke Kompositionen sogar bis zum 18. Naturton (vgl. Anthony Baines, Lexikon der Musikinstrumente. Stuttgart: Springer-Verlag GmbH Deutschland, 2010. S. 334 ff.). Mit moderner Spieltechnik auf der Ventiltrompete ist dieses hohe Register höchst anspruchsvoll, was historische Aufführungen auf Naturtrompeten besonders beeindruckend macht.
Ventiltrompete
Die Trompete, die wir heute aus Orchestern und Blaskapellen kennen, ist die Ventiltrompete. Um mehr Töne als die der Obertonreihe spielbar zu machen, wurden verschiedene Versuche angestellt. Blechblasinstrumente mit Klappen zur Tonhöhenveränderung setzen sich jedoch nicht durch, da die Erfindung der Ventile 1813 durch Heinrich Stölzel praktikabler war. 1818 entwickelten Friedrich Blühmel und Heinrich Stölzel das Drehventil, welches bei deutschen Bauformen von Blechblasinstrumenten bis heute verbreitet ist. Die neue Ventiltrompete mit drei Ventilen bringt neue Möglichkeiten der Spieltechnik, vor allem gewährt sie chromatisches Spielen aller Töne.
Die Ventiltrompete überwindet den auf die Naturtöne begrenzten Einsatzraum und kann Melodiestimmen übernehmen. Deshalb entstehen in der Volksmusik Gruppen, bei denen das sogenannte Hohe Blech: Trompeten und Flügelhörner, die Hauptstimmen spielen können. Von kleinen Blechensembles über Böhmische Partien bis zur Blasmusik – die Trompete wird zum führenden Instrument, das meistens die Hauptstimme spielen darf und deshalb auch sehr populär wird.
Trompete und Flügelhorn
In der Blasmusik oft direkt nebeneinander zu sehen, werden die sich optisch ähnelnden Instrumente Trompete und Flügelhorn gerne verwechselt. Den Unterschied findet man im Instrumentenbau: Trompeten haben eine enge Mensur, also einen kleineren Durchmesser des klingenden Rohres und einen flachen Mundstückkessel. Flügelhörner hingegen haben eine weitere Mensur und einen tieferen Mundstückkessel. Die Trompete klingt schärfer, weshalb sie für Signale und zeitweise Begleitung wie Nachschlag eingesetzt wird. Das Flügelhorn hat einen wärmeren, weichen Klang und darf deshalb die Melodie übernehmen. Erkennen kann man den Unterschied also optisch daran, dass die Trompete schmäler und das Flügelhorn breiter aussieht und am härteren oder weicheren Klang sowie dem Einsatzbereich: in der klassischen Musik sind nur Trompeten besetzt, während in der Blasmusik die Trompete oft Signale und Einwürfe übernimmt.
Gemeinsames Musizieren
Gemeinsames Musizieren bringt Freude: nicht nur dem Publikum, sondern auch den Musiker*innen. Historische Fotografien zeigen eine der beliebtesten Besetzungen der Blasmusik, die sogenannte Böhmische Besetzung: Diese besteht gewöhnlich aus Es-Klarinette, B-Klarinette, Flügelhorn, Trompete, Tenorhorn, Bariton, Tuba und Schlagzeug. Häufig sind Trompeter*innen oder Flügelhornist*innen auch die musikalischen Leiter*innen dieser Gruppierungen wie etwa Vlado Kumpan und seine Musikanten.
Größere Formationen wie die ursprünglichen Militärmusiken entstehen als Arbeitsmusiken oder ortsansässige Musikvereine und Blasmusikkapellen. Noch heute sind in Niederösterreich viele Vereine in der Blasmusik tätig und Teil des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes. Mit traditionellen Uniformen und Traditionsmärschen bis zu modernen Kompositionen sind die Blasmusiken bei Festen, kirchlichen Feierlichkeiten, Umzügen und Konzerten dabei und bewahren ein wichtiges Stück unserer Kultur. Ganz vorne dabei sind natürlich immer die Trompeter*innen und Flügelhornist*innen!
Die Trompete ist eines der Blechblasinstrumente, das leicht zu erlernen ist, und ein großes, vielseitiges Repertoire bietet. Viele Melodiestellen in der Volksmusik und berühmte Soli in der klassischen Musik wie auch im Jazz machen die Trompete bekannt und reizvoll zu spielen. Da überrascht es nicht, dass die Trompete von Klassik über Jazz bis hin zur Volksmusik so beliebt und auch im DIPkatalog so oft zu finden ist.
Welche Entwicklungsformen der Trompete kann man in einem der niederösterreichischen Museen finden oder gibt es ein anderes Lieblingsinstrument, dessen Geschichte man im Museum oder online im DIPkatalog entdecken kann? Finden Sie es heraus!
Text: Sophie Schrenk
Die Autorin ist Absolventin des Diplomstudiums Instrumental- und Gesangspädagogik und aktuell Studentin des Bachelor-Studiums Konzertfach an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Darüber hinaus ist sie selbst begeisterte Hornistin: Sie ist Mitglied der Stadtkapelle Klosterneuburg und des Musikvereins St. Andrä-Wördern sowie stellvertretende Leiterin der Jugendkapelle „Young Musical Artists“ in St. Andrä-Wördern.

