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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Wallfahrtsandenken aus Niederösterreich

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Ein kleines Porzellangefäß zeigt auf der Vorderseite eine farbige Ansicht der Wallfahrtskirche Maria Drei Eichen, ergänzt durch die Aufschrift „Gruss aus Maria Drei Eichen“.
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Wer heute von einem Urlaub zurückkehrt, bringt gerne sich und seinen Lieben Souvenirs mit: Kühlschrankmagnete, Schlüsselanhänger, Ansichtskarten, T-Shirts, Accessoires oder andere Stücke, die uns, in den Alltag zurückgekehrt, an eine schöne Zeit an einem besonderen Ort erinnern. Auch Glücksbringer wie landestypische Talismane können im Gepäck nach Hause landen in der Hoffnung auf ihren Schutz und Beistand.

Dieses Verhalten ist kein Phänomen der neueren Zeit, im Gegenteil: Menschen wollten immer schon zeigen, welche besonderen Orte sie besucht hatten, und nahmen Erinnerungsstücke mit nach Hause. So taten es auch Pilger*innen, die von ihrer Wallfahrt Andenken wie Kreuze, Medaillons, Rosenkränze, Öle, Wasser, Erde oder Pilgerzeichen wie die Jakobsmuschel mitbrachten. Diese Devotionalien wurden am Zielort erworben, bestätigten die Pilgerschaft, dienten im Alltag als Schutz- und Bekenntniszeichen und hielten die oft beschwerliche Reise im Gedächtnis.

Während moderne Souvenirs häufig Trends, Ästhetik oder Humor folgen, bleiben Wallfahrtsandenken stärker symbolisch und rituell geprägt. Ihre Bedeutung entsteht weniger aus einer persönlichen Reisestimmung als aus religiöser Praxis und traditionellen Erzählungen. Gleichzeitig teilen beide Formen des Erinnerns das Bedürfnis, besondere Momente festzuhalten – ob es um die Ankunft in Santiago de Compostela geht oder um den ersten Tag in der Karibik. Wallfahrtsandenken wird zudem eine besondere Wirkkraft zugeschrieben: Schutz vor Krankheit, Unwetter und anderen Gefahren. Wie alle Erinnerungsobjekte regen sie dazu an, einen Ort wieder zu besuchen oder eine ähnliche Reise zu unternehmen. Vor allem verkörpern sie besondere Erlebnisse und Emotionen, die im Alltag weiterbestehen, häufig in Form von Gebrauchsgegenständen wie Kaffeetassen, Gläsern und Eierbechern sowie als Ziergegenstände, Kerzen, Medaillons oder Schmuck.

 

Wallfahrtsorte in Niederösterreich

Pest- und Kriegsgefahr sowie der Dank für die Errettung aus dieser Not waren vor allem im 17. Jahrhundert Motiv für die Entstehung oder den Aufschwung zahlreicher Wallfahrtsorte. In Niederösterreich erfreuten sich die Wallfahrten zur Heiligen Dreifaltigkeit – etwa in Karnabrunn (Gemeinde Großrußbach) – und vor allem zur Schmerzhaften Gottesmutter in Maria Dreieichen und Maria Taferl großer Beliebtheit.

Maria Dreieichen

Maria Dreieichen entwickelte sich in der Barockzeit zu einer bedeutenden marianischen Gnadenstätte mit Ausstrahlung weit über die Landesgrenzen. Der Anfang der Verehrung wird auf 1656 datiert, als der Kürschnermeister Mathias Weinberger aus Horn nach der Genesung von einer Krankheit ein in Wachs modelliertes Vesperbild an einer dreistämmigen Eiche anbrachte. Nach einem Brand 1675 ersetzte der Horner Bürgermeister Sebastian Friedrich das verlorene Bild durch eine geschnitzte Kopie auf dem wiederergrünten Baum. Entscheidende Förderung erfuhr der Ort durch Abt Placidus Much, der 1744 den Grundstein für den barocken Kirchenbau legte.

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Maria Taferl

Auf einer Anhöhe über der Donau liegt das niederösterreichische Landesheiligtum Maria Taferl, der bedeutendste Wallfahrtsort des Bundeslandes und eine der großen marianischen Gnadenstätten Österreichs. Die Wallfahrt zur Pietà reicht ins 17. Jahrhundert zurück. Die heute vor der Kirche sichtbare Steinplatte gilt als möglicher vorchristlicher Opfertisch. In ihrer Nähe wurde einst an einer Eiche ein Kreuz angebracht. Als der Viehhirte Thomas Pachmann diese 1633 fällen wollte, verletzte er sich schwer. Erst in diesem Moment bemerkte er das Kreuz, betete um Verzeihung, und die Wunde hörte auf zu bluten.

Die eigentliche Wallfahrt setzte 1642 ein, als Richter Alexander Schniagl das Kreuz durch eine Statue der Schmerzhaften Muttergottes ersetzte. In den folgenden Jahren berichteten Menschen von Engelsprozessionen und Heilungen, was den Zustrom weiter verstärkte. Bereits 1660 war der Bau der heutigen barocken Wallfahrtskirche notwendig. Maria Taferl hat seine Bedeutung als Wallfahrtsort bis heute bewahrt und zählt weiterhin zu den meistbesuchten Gnadenstätten des Landes.

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Mariazell

Mariazell liegt zwar in der Steiermark, doch kann der wichtigste Wallfahrtsort Österreichs an dieser Stelle nicht fehlen – zu eng ist er mit Niederösterreich über die auch heute noch rege Wallfahrt verbunden. So führt die „Via Sacra“ von Wien über Lilienfeld und die „drei heiligen Berge“ Annaberg, Josefsberg und Joachimsberg nach Mariazell.

Die Anfänge der Wallfahrt nach Mariazell reichen ins 12. Jahrhundert zurück. Ein Benediktinermönch aus St. Lambrecht wurde zur Seelsorge in die Region entsandt und brachte eine Holzstatue der Gottesmutter mit Kind aus seinem Kloster mit und stellte sie in seiner Zelle auf. Als ein Fels den Weg versperrte, betete er zur Muttergottes, woraufhin sich ein Durchgang öffnete.

Mariazell entwickelte sich rasch zum bedeutendsten österreichischen Wallfahrtsort. Zu den frühen Förderern zählen Markgraf Heinrich von Mähren (1322–1375) und König Ludwig I. von Ungarn (1326–1382), dessen Gnadenbild sich heute in der Schatzkammer befindet. Auch die Familie der Habsburger war Mariazell immer besonders verbunden. Die „Magna Mater Austriae“ wird bis heute in Ungarn als „Magna Hungarorum Domina“ und als „Mater Gentium Slavorum“ in Böhmen und Mähren verehrt.

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Wallfahrtsandenken: Wegenetz durch Niederösterreich

Die Barockzeit brachte in Niederösterreich eine dichte Landschaft von Wallfahrtsstätten hervor. Nach der Ablehnung der Wallfahrt in der Reformation trug die Gegenreformation wesentlich zum Aufschwung bei. Wunderberichte, Mirakelbücher, Andachtsbildchen und Wallfahrtsandenken verbreiteten den Ruf der Gnadenbilder. Rund fünfhundert Wallfahrtsorte wurden im 17. und 18. Jahrhundert von Pilger*innen und Gemeinschaften besucht. Nicht alle überstanden die Reformen Josephs II. (1741–1790), viele behielten jedoch ihre Bedeutung und werden auch heute noch aufgesucht. 

Wallfahrtsandenken begleiten Menschen seit Jahrhunderten und erzählen von Religiosität und dem Wunsch nach spirituellem Beistand. Gleichzeitig geben sie Einblick in historische Bewegungsmuster, in die Bedeutung mancher Orte zu bestimmten Zeiten und wie diese Entwicklungen, die Regionen – kulturell wie wirtschaftlich –geprägt haben.

Die umfangreichen Bestände in den regionalen Sammlungen lassen das weitverzeigte Wegenetz zu bekannten und (heute) weniger bekannten Wallfahrtsorten in Niederösterreich, in anderen Bundesländern und auch in benachbarten Ländern erkennen. Jedes einzelne Objekt erzählt von persönlichen Erfahrungen und von der großen Mobilität früherer Tage. Die Online-Sammlung im DIPkatalog lädt dazu ein, diese „Souvenirs des Glaubens“ zu entdecken und sich digital auf Spurensuche durch die abwechslungsreiche Welt der Wallfahrtsandenken zu begeben.

Text: Barbara Linke

 

Sammelaufruf:

Befinden sich sakrale Objekte, Votivgaben, Wallfahrtsandenken und Ähnliches in Ihrer Sammlung?  
Schreiben Sie uns an dip@noemuseen.at: Gerne nehmen wir diese in den DIPkatalog auf.

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