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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Sollen wir die Gämse föhnen?

NÖ MuseenAusstellungen und Veranstaltungen

 


Museen kennen das: Zahlreiche Tierpräparate schmücken die Dauerausstellung, noch viele mehr befinden sich im Depot.
Wie lagert und pflegt man diese Exponate jedoch richtig? Genau diese Frage wurde im Praxiskurs „Fuchs, Eichelhäher und Co: Aufbewahrung von Tierpräparaten“ am 21. August im Museum Traiskirchen unter der fachkundigen Leitung von Robert Illek, Leiter der Zoologischen Hautpräparation des Naturhistorischen Museums Wien, beantwortet.

Von Torf zu PU-Schaum: Wie lange hält ein Tierpräparat?

Heutzutage ist Tierpräparator ein besonders seltener Beruf, der sich allerdings sehr lange zurückverfolgen lässt: So wurden bereits bei den Ägyptern Exponate aus gepresstem Torf angefertigt, die teilweise heute noch konserviert sind. Ebenso finden sich einige Tierpräparate – vor allem von Pferden – aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert die sich gut erhalten haben. Mittlerweile wurde die alte Präparationsmethode mit Materialien wie Holz, Wachs, Stroh oder auch Gips von modernen Techniken abgelöst. Derzeit wird hauptsächlich PU-Schaum für die Befüllung und Rekonstruktion der Körper verwendet. Einen Unsicherheitsfaktor gibt es allerdings dabei: Ob dieses Material ebenfalls einige Jahrhunderte lang halten kann, ist noch nicht erprobt.

Spuren der Vergangenheit

Die Zeichen der Zeit lassen sich mitunter nicht nur am Zustand eines Tierpräparats ablesen, sondern auch an anderen Auffälligkeiten: Nachdem vor 200 Jahren Reisetätigkeiten noch die Ausnahme darstellten, war oft das tatsächliche Aussehen von exotischen Tieren oder Fischen in Europa wenig bekannt. Aus diesem Grund finden sich in einigen Sammlungen auch heute noch präparierte Tiere, deren Fell bzw. Haut nicht korrekt bemalt wurde, und die erst jetzt durch Ausbesserungen ihre ursprüngliche Färbung erhalten.
Restaurierungsarbeiten bringen ab und zu auch weitere Kuriositäten ans Tageslicht, beispielsweise, wenn ein großes Säugetier von Einschussspuren durchlöchert ist, weil es im 2. Weltkrieg von den Russen für Schießübungen benutzt wurde, oder wenn sich im Bauch eines präparierten Tieres eine Hamburger Tageszeitung aus dem Jahr 1880 befindet, die der damalige Präparator für seine zukünftigen Kolleginnen und Kollegen „versteckt“ hat.
 

Nur keine Scheu vor Marder, Elster und Co.

Für den erstmals stattfindenden Praxiskurs rund um das Thema Tierpräparate konnte der langjährige Leiter der Präparationsabteilung des Naturhistorischen Museums Wien, Robert Illek, gewonnen werden. Er ließ die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer an seinem großen Erfahrungsschatz teilhaben, schilderte seinen Arbeitsalltag im NHM, einem der größten außeruniversitären Forschungszentren Österreichs, und gab praktische Tipps, die auch gut in jedem Museum umgesetzt werden können. Nach einer theoretischen Einführung in das Thema, in dem auch die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Stoffe und Präparationsmittel wie Aceton, Eutan, Arsen und Formalin ausführlich erklärt wurden, konnten sich die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer auch gleich in der Praxis erproben und ihre teilweise aus dem eigenen Museumsbestand mitgenommenen Tierpräparate wieder auf Vordermann bringen.
 

Unter der Anleitung von Robert Illek wurden sowohl kleinere (Raub-)Tiere, wie Marder, Dachs, Iltis oder Ziesel, eingeseift, gereinigt und abschließend geföhnt, als auch diverse Vogelpräparate von groß bis klein mit Alkohol gereinigt und unter Wasserdampf in Form gebracht. „Mit wenigen Mitteln kann man die Präparate im Museum selbst reinigen und pflegen, man muss nur die Scheu davor, etwas kaputt zu machen, ablegen“, erklärt Robert Illek „Im Zweifelsfall und bei besonders wertvollen Exponaten ist es natürlich ratsam, Experten zu Rate zu ziehen.“
Anschließend verriet der Vortragende noch einige Tricks für den richtigen Transport und zur fachgerechten Einlagerung der Präparate – Erprobung der Praxistipps inklusive. Das Fazit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Ein abwechslungsreicher Kurstag mit hohem Lernfaktor! Einige Impressionen vom Tag haben wir für Sie in einem Kurzvideo zusammengefasst.

Ein herzliches Dankeschön an Robert Illek und Karin Weber-Rektorik vom Museum Traiskirchen, die uns die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und sogar einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht hat.
 

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