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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Online-Katalog zeigt ausgewählte Schätze niederösterreichischer Museen

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Im Zuge eines Pilotprojekts wurden Objekte aus fünf Museen inventarisiert und sind nun online auf DIPkatalog.noemuseen.at zu sehen.

Die Sammlung ist die Basis eines jeden Museums und ihre Erfassung und Dokumentation ist eine Grundlage, um von ihrer spannenden Geschichte berichten zu können. Die Stadt- und Regionalmuseen Niederösterreichs beherbergen unzählige dieser Geschichten und unermessliches Wissen zu den Kulturgütern und den Besonderheiten des Landes und seiner Regionen. Erst mit der Erfassung in Datenbanken und mit deren Veröffentlichung können diese Kulturgüter weitgehend einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – für geschichtlich Interessierte ebenso wie für Wissenschaft und Forschung.

Das digitale Inventarisierungsportal (DIP) des Museumsmanagement Niederösterreich ermöglicht dafür eine fachgerechte Aufnahme von Sammlungen. In der web-basierten Datenbank DIP.noemuseen können Museen Bestandsdaten einpflegen und sichern. Ausgewählte Objekte werden anschließend im öffentlichen Katalog DIPkatalog.noemuseen.at präsentiert und thematisch in Kontext gestellt.

Die Datenbank ist im Rahmen des Interreg-Projekts Heritage SK-AT entstanden. Grenzüberschreitend werden niederösterreichische und slowakische Muster- und Formbilder von Handwerkstraditionen gegenübergestellt und Highlights der Öffentlichkeit präsentiert.

Folgende fünf niederösterreichische Institutionen sind aktuell im Online-Katalog vertreten:

Museum Walzengravieranstalt Guntramsdorf

Das Museum Walzengravieranstalt Guntramsdorf ist seit 2018 Heritage SK-AT Projektpartner und damit Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Bisher wurden dort 1.783 Objekte inventarisiert. Darunter befinden sich sowohl Moletten, die den größten Teil der Sammlung des Museums ausmachen, als auch Musterabdrucke, die als Nebenprodukt im Herstellungsprozess von Druckwalzen entstanden. Weiters enthalten sind Auftragsbücher, die die gesamte Betriebsgeschichte widerspiegeln. Dies gilt auch für die Moletten selbst: Sie zeigen in ihrer Vielfältigkeit die gesamte Produktion des Betriebes von Beginn 1911 bis zur Schließung in den 1980er Jahren. Auch wenn die Graveure der Walzengravieranstalt selbst keine schöpferische Entwurfstätigkeit ausübten und die Muster immer von den Kunden bestimmt wurden, ist hier ein Schatz der österreichischen Muster- und Ornamentgeschichte verwahrt, der nun durch den Online-Katalog erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden kann. Man erkennt Muster fast vergessener Dinge des Alltags wie Spinnenpapier für Fotoalben, Vorlagen der ehemals aus geprägtem Papier hergestellten Trauerschleifen oder Verpackungsaufschriften wie „Kurt Pischinger“ oder „Napoli“. 1.783 Museums-Objekte wurden digital erfasst und ein Teil davon ist nun online zu betrachten.

 

Ofenkachelmanufaktur Erndt in Kleinpöchlarn

Seit ihrer Gründung 1791 bis heute entwirft, brennt und glasiert die Ofenkachelmanufaktur Erndt in Klein-Pöchlarn Ofenkacheln. Öfen des ehemaligen k. und k. Hoflieferanten Erndt sind in privaten Wohnhäusern genauso zu finden wie an geschichtsträchtigen Orten wie den Kaiserappartements in der Hofburg Wien oder im Schloss Schönbrunn. 2018 wurden 697 historische Modeln aus eigener Produktion inventarisiert – vom Spätbarock des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Durch die Jahrzehnte kam es in Klein Pöchlarn zu vielen künstlerischen Hochleistungen, da hier stets nicht nur innovative Hafnermeister, sondern auch Künstler der Wiener Werkstätte zur Herstellung der Muster heranzogen wurden. Im Online-Katalog sind nun Objekte zu finden, die ansonsten ausschließlich im Depot gelagert werden. Diese Zeitzeugen der Ornament- und Mustergeschichte beinhalten Mutter- und Negativformen, florale Jugendstilmotive, geometrische Muster sowie detailreiche Blätter und Blüten und können nun als Inspirationsquelle für neue Öfen dienen – oder einfach das Auge der Betrachterinnen und Betrachter erfreuen. 697 Museums-Objekte wurden digital erfasst und ein Teil davon ist im Online-Katalog zu finden.

 

Museum „Alte Hofmühle“ Hollabrunn

Das Stadtmuseum „Alte Hofmühle“ in Hollabrunn verfügt über einen Bestand an Habaner Keramik, der 2004 aufgearbeitet und als Dauerausstellung konzipiert wurde. Begleitend erschien die Publikation „Täufer, Hutterer, Habaner. Geschichte, Siedlungen, Keramik in Südmähren, Westslowakei und Niederösterreich“ mit Beiträgen unterschiedlicher Expertinnen und Experten. Entstanden ist diese Sammlung im Auftrag eines privaten Liebhabers, der gezielt Kopien von Keramiken aus Museen anfertigen ließ, um eine repräsentative Schau der Kunstfertigkeit der Habaner zu erhalten. Neben Kopien von Stücken, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, befinden sich auch Originale in diesem Konvolut, die einerseits in Hollabrunn selbst entstanden sind, aber auch aus Südmähren stammen, wo heute noch vergleichbare floral und ornamental geschmückte Keramiken entstehen. Im Rahmen des Interreg-Projekts Heritage SK-AT ist diese Sammlung besonders interessant, da sie einen direkten Vergleich der handwerklichen Erzeugung in der Slowakei und in Niederösterreich zulässt. Von den 76 digital erfassten Museums-Objekten sind 59 davon online zu betrachten.

 

Museum für Dorfkultur Großengersdorf

Das Museum für Dorfkultur, das in der ehemaligen Mühle in Großengersdorf untergebracht ist, gibt Einblicke in unterschiedliche Handwerksbetriebe und in die Alltagskultur eines Dorfes. Für das Interreg-Projekt Heritage SK-AT wurden drei Teilsammlungen genauer bearbeitet und inventarisiert: die historischen Bauziegel, die Musterwalzen des ehemaligen Malermeisterbetriebs Josef Greul sowie ein kleinerer Bestand an Blaudruckstempeln. Das Besondere dieser Sammlung, die auf der leidenschaftlichen Sammeltätigkeit des ehemaligen Bürgermeisters und Museumsleiters Josef Rögner basiert, ist die Herkunft der Objekte: Diese Zeugen des alltäglichen Lebens stammen größtenteils direkt aus Großengersdorf. Im Zuge der Inventarisierung war es beispielsweise möglich, die Herkunft einzelner Ziegelsteine ehemaligen Häusern im Ort – die entweder bereits abgerissen oder stark verändert waren – zuzuordnen, was zur Dokumentation der Ortsgeschichte beitrug. Auch erzählen die Ziegel aus vergangenen Zeiten, als noch mit Lehmziegeln gebaut wurde und viele Orte ihre eigenen Ziegelbrennereien hatten. 101 inventarisierte Objekte sind Teil des Online-Katalogs.

 

Bauernhofmuseum Gföhleramt

In einem ehemaligen Gehöft in Gföhleramt befindet sich das ehrenamtlich geführte Bauernhofmuseum. Die Sammlung, die auf der leidenschaftlichen Sammeltätigkeit des inzwischen verstorbenen Gründers ÖkR. Prof. Franz Fux basiert, setzt sich aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, die in ihrer Summe die Geschichte Gföhleramts widerspiegeln: von Gerätschaften für Flachsverarbeitung und Leinenweberei über bäuerliches Arbeitsgerät bis hin zum Inventar der 1875 abgerissenen und durch Herrn Fux wiederaufgebauten Kapelle. Aber auch eine Sammlung von historischen Türblättern kann hier bewundert werden. Solche handwerklichen Erzeugnisse, die selten gesammelt und bei Abrissen bzw. Modernisierungen von Gebäuden üblicherweise entsorgt werden, verschwinden meist zusammen mit anderen nicht baufesten Ausstattungsstücken und sind somit für die Nachwelt nicht mehr greifbar. Heute können diese dank der Sammeltätigkeit des Franz Fux im Museum, aber nun 20 davon auch im Online-Katalog begutachtet werden.

Info:

Hier kann der Online-Katalog mit allen Objekten durchgeblättert werden

Alle niederösterreichischen Museen und Sammlungen, die Interesse an einer Beteiligung haben, finden hier Informationen zur Nutzung des digitalen Inventarisierungsportals DIP.