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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Kulturhackathon 2021 mit Kachelofenwärme aus Klein Pöchlarn

DIPkatalogMuseumsarbeitHeritage SK-AT

Was ist ein Kulturhackathon und welche Rolle spielen dabei Museen?

Bei einem Hackathon kommen in der Regel IT-Spezialisten aus verschiedenen Gebieten zusammen, um gemeinsam neue Softwareprodukte zu programmieren und zu entwerfen.
Der Kulturhackathon stellt dabei alle offenen Kulturdaten in den Mittelpunkt und beschäftigt sich damit, wie man das digitale kulturelle Erbe mit innovativen Anwendungen bearbeiten und nutzen kann.

Seit 2017 wird ein Kulturhackathon in Österreich von Sylvia Petrovic-Majer und OpenGlam.at(Galleries, Libraries, Archives, Museums) organisiert. 2021 stand der Kulturhackathon unter dem Thema Kultur und Arbeit und hat sich die Fragen gestellt:  Wie kann Arbeit in Kunst und Kultur neu gedacht und definiert werden? Was können Daten aus dem kulturellen Erbe in anderen Arbeitsfeldern bewirken? Welches Wissen muss dafür vorhanden sein?

In diesem Jahr war auch das Museumsmanagement Niederösterreich mit den digitalen Objektdaten des DIPkatalogs mit dabei. Wir haben dabei insbesondere die digitale Model- und Kachelsammlung der Kachelofenmanufaktur Erndt eingebracht. Der historische Bestand des Unternehmens wurde im Zuge des Projekts Heritage SK-AT im DIPkatalog erfasst und verbindet sehr anschaulich unser historisches Kulturerbe und die Arbeits- und Anwendungswelt heute.

 

Die Kachelofenmanufaktur Erndt ist ein Traditionsbetrieb, der auch heute in Klein Pöchlarn Kacheln produziert und Kachelöfen baut und saniert. DI Peter Hirner leitet den Handwerksbetrieb und ist auch darum bemüht die historischen Modeln zu erhalten. Es hat sich eine sehr gute Zusammenarbeit im Projekt Heritage SK-AT entwickelt und die aufgenommenen Objektdaten stehen nun Wissenschaft und Forschung zur Verfügung und sind offen zugänglich für neue Anwendungsformen und Nutzungsmöglichkeiten.

 

 

Im Zuge des Kulturhackathons war Peter Hirner zu Gast beim OpenGlam Podcast und hat mit Sylvia Petrovic-Majer, Ulrike Kuchner (Astrophysikerin und Künstlerin) und David Kraxner (Kartograph) zum Thema Arbeit neu denken gesprochen. Es wurden dabei schon unterschiedliche Zugänge beschrieben, wie man offene digitale Daten nutzenbar machen, weiterverwenden und neuen Anwendungsfeldern zuführen kann.

Das Gespräch kann unter Soundcloud und überall wo es Podcasts gibt nachgehört werden.

 

Auf der Suche nach dem WOW-Effekt

Beim Kulturhackathon am 28. und 29. Oktober kamen engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Museen ebenso wie aus den Bereichen IT, Vermittlung und Wissenschaft zusammen. Die online Konferenz hat viel Raum für Austausch geboten und neue Fragestellungen im Bezug auf digitale Daten und deren Vermittlung aufgeworfen: Wie kann Begeisterung für digitale Objekte geschaffen werden? Wie können neue Publikumsgruppen auf digitale Sammlungen aufmerksam gemacht werden? Wie verbindet man den digitalen und den realen Ausstellungsraum? Wie können Wissenschaft, Kulturdaten und Publikum vernetzt werden? ….

In Teams sind einige dieser Problemstellungen im Detail ausgearbeitet worden und es wurde versucht daraus konkrete Projekte und Prototypen zu entwickeln. Mit Bezug zur Sammlung des Belvederes wurde etwa ein Konzept ausgearbeitet, um Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit zu geben selbst Kunstwerken auszuwählen und in die Rolle des Kurators zu schlüpfen. Weiters gab die Postkartensammlung des Graz Museums einer Gruppe Anlass virtuelle Stadtrundgänge zu entwickeln, die bereits als Prototyp ausgearbeitet wurden.

Um die Kachel- und Modelsammlung aus Klein Pöchlarn mit einem größeren Publikumskreis zu verbinden und neue Bezüge herzustellen ist der Projektentwurf „Kachelofenwärme“ entstanden. Ganz im Sinne des Zusammenkommens rund um einen warmen Ofen steht im Mittelpunkt die Vernetzungen.

Objekte – Wissenschaft – Museen – Kunst und Publikum sollen in einen Dialog treten.

Um in der Praxis dazu Impulse zu setzen, soll die Sammlung Citizen Scientists zur Verfügung gestellt werden. Gemeinsam mit bestehenden Plattformen (recogito, zooniverse) könnte so eine neue, sehr engagierte Community angesprochen werden, die die Forschung rund um die Kacheln vorantreibt. Ziel ist es mit Multiplikatoren aus unterschiedlichen Bereichen unser Kulturerbe ins heute zu tragen.
 

   Wir, das Museumsmanagement und das Team vom Kulturhackthon werden versuchen diese Projektidee voranzutreiben, im Winter mit neuen Partnern anzuheizen und 2022 erste Schritte zu setzen!

Text: Christa Zahlbruckner