DE
Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Kellerlandschaften Mitteleuropas

DIPkatalogNÖ MuseenHeritage SK-AT

Kellergasse von Petrov an der Grenze von Mähren zur Slowakei

 

Zu den vielen verbindenden Elementen im östlichen Mitteleuropa zählt der Weinbau. Rund um diesen entwickelte sich eine Kultur, die von alten Arbeitstechniken über damit verbundene Traditionen bis hin zu den Bauwerken, die in Zusammenhang mit Weinbau entstanden sind, reicht.

Dem architektonischen Erbe des Weinbaues spürte die grenzüberschreitende Ausstellung "Kellerlandschaften Mitteleuropas" in Schloss Jedenspeigen in Niederösterreich und anschließend, um eine Vielzahl von Objekten erweitert, im Malokarpatské múzeum Pezinok in der Slowakei nach.

Architektonisches Erbe des Weinbaus

Zwar sind die architektonischen Hinterlassenschaften des Weinbaues allgegenwärtig, doch fanden sie trotz ihrer oft beeindruckenden Größe lange Zeit vergleichsweise wenig Beachtung. Auch wenn die Bauten meist ihre Funktion als Produktions- und Lagerstätte des Weines verloren haben, sind es oft gerade sie, die das letzte unverwechselbare Zeugnis lokaler Bauweise darstellen. Das reicht von den teilweise riesigen Kelleranlagen der weltlichen und geistlichen Herrschaften, die zu den größten Profanbauten in vielen Orten gehören, über die Unterkellerung in größeren Städten, die Hauskeller der ackerbürgerlichen Weinbaustädte und -märkte bis hin zu den Kellergassen der ländlich geprägten Weinbauorte.

In den Weinbaulandschaften der Slowakei, Ostösterreichs, Mährens und Ungarns entwickelten sich Strukturen rund um die Weinlagerung, die viele Gemeinsamkeiten, aber auch regionale Vielfalt auf kleinstem Raum aufweisen. Diese Unterschiede sind oft den kleinräumigen wirtschaftlichen und produktionsbedingten Erfordernissen geschuldet.

"Verbäuerlichung" des Weinbaus

Seit dem 17. Jahrhundert wurde der Weinbau für das Bürgertum durch wirtschaftliche und klimatische Veränderungen weniger attraktiv. So gelangten Weingartenflächen etwa im Weinviertel oder in Mähren zunehmend in den Besitz der bäuerlichen Ortsbevölkerung. Ab diesem Zeitpunkt verarbeiteten die örtlichen Bauern die Traubenernte in Eigenregie. Sie legten somit auch größere Lagerstätten für den ländlichen Weinbau abseits von Städten und größeren Märkten an.

Diese Entwicklung erklärt die Unterschiede in den vorhandenen Weinlagerstätten: Dort, wo der ackerbürgerliche Weinbau bereits im Spätmittelalter und der beginnenden Neuzeit vorherrschte, wurden die Keller in den Orten angelegt. So fehlen Kellergassen größtenteils etwa in der Südbahnregion in Niederösterreich genauso wie in der kleinkarpatischen Weinbaugegend der Slowakei, wo der ländliche Kellertyp, den es in den anderen Weinbauregionen des Landes gibt, nicht vorkommt.

 

Vielfältige Kellerlandschaften

In Ungarn entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte eine besonders vielfältige Kellerlandschaft. Bekannte Weinbaustädte wie Eger im Nordosten des Landes verfügen über ausgedehnte Kellersysteme. Bereits im Spätmittelalter werden hier Kelleranlagen erwähnt. Mit zunehmendem Bedarf an Lagerkapazitäten wurden auch in der Umgebung Keller angelegt; manche Dörfer entwickelten sich nach dem Ende der osmanischen Herrschaft förmlich zu Zentren des bäuerlichen Kellerbaues. In anderen Weinbaugebieten im Norden Ungarns wird mitunter sogar der Entstehungsraum der ersten "Kellergassen" im frühen 17. Jahrhundert vermutet, von wo sie sich rasch auch nach Westen (Mähren, Niederösterreich) ausgebreitet haben sollen. Wie in anderen Kellergassenregionen wird auch hier eine "Verbäuerlichung" des Weinbaues als einer der Gründe für das Aufkommen der Kellergassen vermutet.

Bei der Anlage der Kellergassen bediente man sich, wenn möglich, naturräumlicher Vorteile, wie Hanglagen, Hohlwegen oder Lehmgruben (Lehmabbaustätten), die das Graben erleichterten. Trotz des einheitlichen Verwendungszweckes finden sich regionale Unterschiede im Erscheinungsbild der Kellergassen. Oft sind sogar in ein und derselben Kellergasse verschiedene Bauformen vorhanden. So nahm die Entwicklung der Kellergassen im 17. Jahrhundert ihren Ausgang und hielt, regional höchst unterschiedlich, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts an, wobei es bis weit in das 20. Jahrhundert weitere bauliche Veränderungen gab.

 

Grenzüberschreitendes Ausstellungsprojekt

Dem architektonischen Erbe des Weinbaues spürte die grenzüberschreitende Ausstellung "Kellerlandschaften Mitteleuropas" in Schloss Jedenspeigen in Niederösterreich und anschließend im Malokarpatské múzeum Pezinok in der Slowakei nach, die im Rahmen des Interreg-Projekts Heritage SK-AT Austria entstand. Bedauerlicherweise musste das Ausstellungsprojekt aufgrund der Corona-Pandemie Anfang März dieses Jahres abgebrochen und die Ausstellungsobjekte in der Folge retourniert werden. Die Text- und Bildtafeln wurden nach der Grenzöffnung im Juni zurück in das Schloss Jedenspeigen übersiedelt. Ein Teil davon wird im heurigen Herbst neben der 2019 neu gestalteten Dauerausstellung zur Schlacht von Dürnkrut und Jedenspeigen im Jahre 1278 ("Schlacht & Schicksal – Brennpunkt Mitteleuropa") noch zu sehen sein.

Am 12. September 2020 wird außerdem als Vorbote zur nächstjährigen Sonderausstellung "Österreichische Weingläser im 20. Jahrhundert" aus der Sammlung von Budenkellereiinspektor Ing. Alfred Rosner ein weiterer Raum unter diesem Titel eröffnet.

 

Wanderausstellung im DIPkatalog

Parallel zu der grenzüberschreitenden Ausstellung "Kellerlandschaften Mitteleuropas" hat man im Projekt Heritage SK-AT auch an der Digitalisierung von Museumsobjekten und dem Online-Katalog DIPkatalog gearbeitet. Damit können auch Exponate aus dem Malokarpatské múzeum Pezinok heute schon online betrachtet werden und es folgen laufend weitere Objekte aus Niederösterreich auch zum Thema Weinbau und Kellerarbeit.

 

 

Text: Wolfgang Galler

 

Nähere Informationen zu den Ausstellungen finden Sie unter: Schloss Jedenspeigen und Malokarpatské múzeum Pezinok