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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Im Fokus – Slowakische Sammlungen

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Mit dem digitalen Inventarisierungsportal (DIP) werden durch eine grenzüberschreitende Kooperation nicht nur besondere Sammlungen aus Niederösterreich vorgestellt, sondern punktuell auch kleinere private und eine öffentliche Sammlung aus der Slowakei präsentiert. Im Fokus der Dokumentation liegen die digitale Aufbereitung und die weitere Nutzung des Kulturerbes. Die Bedeutung der Motivwelt beschränkt sich hierbei nicht auf abgegrenzte Bereiche, denn gerade gebietsspezifische Charakteristika im Formenschatz machen individuelle Entwicklungen erkennbar. Auch ist die Mustervielfalt nicht nur in den bekannten slowakischen Keramiken sichtbar, sondern auch an anderen Objekten der Volkskultur wie etwa den Stickereien der slowakischen Trachten erkennbar.

Unweit von Bratislava in den Kleinen Karpaten, entfalteten sich in der ehemaligen königlichen Freistadt Modra neben der Keramikproduktion auch weitere Handwerke. Die lokale Entwicklung des Handwerks wurde von mehreren historischen Ereignissen beeinflusst, wie etwa von der deutschen Kolonialisierung, der Einwanderung kroatischer Flüchtlinge und Kolonisten, der Besiedlung der als Habaner bezeichneten hutterischen Täufergemeinschaft sowie bedeutenden Spuren tschechischer und ungarischer Einflüsse auf dem Territorium. Eine solche Mischung historischer Ereignisse führte nicht nur zur Ausweitung der Handwerksindustrie, sondern auch zu einem Einfluss auf die Vielfältigkeit von Mustern und Motiven in der Volkskunst der ethnisch heterogenen Bevölkerung.


In unmittelbarer Nachbarschaft zu Modra liegt das Dorf Pezinok. Hier befindet sich in einem bürgerlichen Winzerhaus aus dem 17. Jahrhundert das Kleinkarpatische Museum. Das Regionalmuseum legt sein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung und Kultur des Weinanbaus in der Region der Kleinen Karpaten, wobei mittels archäologischer Funde, Artefakte und historischer Dokumente die Geschichte der Stadt und ihrer Umgebung gezeigt wird.

Zur Sammlung des Kleinkarpatischen Museums gehören Zeichnungen und Skizzen von Kacheln und Farbfeldern, die als Mustervorlagen für das Malen auf Keramik dienten. Die Zeichnungen stammen alle aus dem Nachlass von Viliam Peško, der in den Jahren 1941 bis 1970 als Leiter der Malabteilung in der Werkstätte für slowakische Volksmajolika in Modra tätig war.


Einige Objekte aus zwei kleineren Privatsammlungen sind jene der Keramikerin Mária Hanusková und der Sammlerin Marta Ifčicová. Hanusková beschäftigt sich gemeinsam mit ihrem Mann Oskar Hanusk seit 1986 mit künstlerischer Keramik. Die Teilnahme an Ausstellung im In- und Ausland erfolgte ab dem Jahr 1999, in Österreich unter anderem in Wien und im Brandlhof in Radlbrunn.

Die präsentierte Sammlung umfasst 13 Gipsformen für Kacheln, die eine Bandbreite von sakralen Bildnissen über profane Porträts bis hin zu Motiven aus dem Weinbau und die motivischen Verbindungen der Handwerke offenbart. Ähnliche Motivgestaltungen finden sich auch in niederösterreichischen Modelsammlungen, etwa jener der Firma Erndt in Klein Pöchlarn.


Eine Tracht ist die traditionelle Bekleidung einer Region, einer Volksgruppe oder auch einer Berufsgruppe. Die Tracht wurde je nach Art ihrer Verwendung im Alltag in Kleidung für Arbeit, Freizeit und festliche Anlässe unterteilt. Eine besondere Kategorie ist die Festtagstracht – zum Beispiel für Hochzeiten. Viele verschiedene Aspekte beeinflussten das Aussehen dieses Kleidungstypus, ausgehend vom Alter, Geschlecht und Status (Kinder, ledig, verheiratet, verwitwet) sowie Religion, Beruf oder Region. Jede Region hatte bestimmte Merkmale, die das Aussehen der Tracht beeinflussten.

Die Sammlung von Marta Ifčicová umfasst 34 Kleidungsstücke, die sowohl von Alltags- als auch von Festtagstrachten aus dem Ort Viničné zwischen Pezinok und Senec stammen.

Text: Fabio Gianesi

 

Diese aus der Slowakei stammenden Sammlungen wurden im Zuge der Publikation „Muster sammeln, sichten, gestalten Kaleidoskop der Dinge“ ins digitale Inventarisierungsportal (DIP) aufgenommen. Die Publikation vereint Beiträge zu handwerklichen Mustersammlungen in Niederösterreich und der Slowakei.

Im Fokus liegt die Dokumentation von Mustern wie auch deren digitale Aufbereitung und die weitere Nutzung und Neuinterpretation dieses Kulturerbes. Neun Autorinnen und Autoren haben dafür aus verschiedenen Handwerksbereichen Formen und Muster ausgewählt und näher betrachtet. Die Beiträge berichten von der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Sammlungsbeständen etwa im Museum Walzengravieranstalt Guntramsdorf, im Volksbildungszentrum Modra oder in den Landessammlungen Niederösterreich.

Einen Einblick in die Weiterentwicklung des historischen Erbes geben auch die Kooperationsprojekte verschiedener Museen und die Möglichkeiten zur online Präsentation und digitalen Nutzung.