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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Historische Entwicklung der Flurdenkmale

Bildstöcke, Wegkreuze, kleine Kapellen und Skulpturen säumen unsere Straßen und Feldwege. Sie haben ihre Wurzeln vielfach im Glauben und in den Schicksalen der Bevölkerung und spiegeln so Geschichten einer Region wider.

Die Anzahl dieser Kleindenkmäler wird in Niederösterreich auf rund 45.000 geschätzt.

 

Historische Entwicklung der Kleindenkmäler

Die ersten so genannten „Totenleuchten“ gab es bereits in der frühen Gotik in Frankreich. Wie der Name schon sagt, hatten diese ersten Bildstöcke ihre Funktion im Toten- und Bestattungskult. Sie standen auf Friedhöfen oder auf dem Weg zu einem Friedhof und konnten ein Licht aufnehmen. Im späten 13. Jahrhundert kam dieser Brauch der „Totenleuchten“ durch Zisterziensermönche über Kärnten erstmals nach Österreich. Frühere und zum Teil noch erhaltene Bezeichnungen wie Lichtpfeiler, Lichtstock, Lichtsäule, Friedhofsleuchten und Armenseelenleuchten bringen diese damalige Funktion des „Seelenlichtes“ sehr gut zum Ausdruck.

Diese ersten Bildstöcke hatten einen eckigen oder runden Schaft, auf dem dieses „Lichthäuschen“ aufgesetzt war. Solche Lichthäuschen werden auch immer wieder als „Tabernakelaufsatz“ (Tabernakel von lat. tabernaculum - „Hütte, Zelt“) bezeichnet. Diese waren für die Aufnahme des Lichtes bestimmt und hatten an den Seiten Öffnungen. Diese Öffnungen wiederum wurden zunächst als romanische Rundbögen und später als gotische Spitzbögen ausgeführt. Die Tabernakelaufsätze hatten ein viereckiges Helmdach aufgesetzt und schlossen darauf mit einem Steinkreuz ab.

 

Ältester datierter Bildstock Niederösterreichs

Der älteste in Niederösterreich noch erhaltene Typus dieser ersten Bildstöcke ist das „Pestkreuz in Reitzenschlag“ bei Litschau, das auch als „Steinsäule am Arnberg“ bezeichnet wird. Dieser Bildstock weist eine Datierung von 1347 auf.

Bezeichnungen für Kleindenkmäler

Die Bezeichnungen für die Klein- und Flurdenkmäler sind sehr vielfältig. Gebräuchliche Namen sind Kreuz, Säule, Bildstock, Bildstöckl, Lichtstöckl, Lichtsäule, Pfeiler, Breitpfeiler, Tabernakelpfeiler und Wegkapelle. Am häufigsten werden in der Bevölkerung die Bezeichnungen „Kreuz, Säule, Marterl, Bildstock“ verwendet. Die ältesten Bezeichnungen für Kleindenkmäler dürften „Kreuz“ und „Säule“ sein, da diese Bezeichnungen in Inschriften und Urkunden vorkommen. Immer wieder ist in solchen Aufzeichnungen zu lesen „Dieses Kreuz hat errichten lassen …“ oder „Diese Säule hat errichten lassen …“.

Bemerkenswert ist, dass die Bezeichnung „Kreuz“ auch dann verwendet wird, wenn das Kleindenkmal weder eine Kreuzform noch ein Kreuz als Abschluss hat. Dies lässt darauf schließen, dass „Kreuz“ eine der ursprünglichsten Bezeichnungen war. Vermutlich waren einfache Holzkreuze die Vorgänger und die Ursprungsform vieler Kleindenkmäler.

Sicher gehörten auch „Bildbäume“, das sind markante Bäume, die mit Kreuzen oder Heiligenbildern versehen waren, zu den ursprünglichen Formen religiöser Kleindenkmäler. Das durch Witterung anfällige Holz wurde später immer wieder durch dauerhafte Materialien aus Stein, Ziegel oder Eisen ersetzt.

Religiöse Kleindenkmäler werden umgangssprachlich immer wieder als „Marterl“ bezeichnet. Der Begriff „Marterl“ leitet sich aus dem Griechischen von „màrtys“ ab, was soviel bedeutet wie „Zeuge“ oder „Blutzeuge“. Ursprünglich wurde diese Bezeichnung nur für Darstellungen in Beziehung mit dem Martyrium Christi oder eines Heiligen verwendet. Diese Bezeichnung ist aber in weiterer Folge für alle möglichen Kleindenkmäler üblich geworden.

Der Begriff „Flurdenkmal“ ist eine Sammelbezeichnung für all jene Kleindenkmäler, die außerhalb von besiedeltem Gebiet - auf „Fluren“ - errichtet wurden. Im Laufe der Zeit wurden aber durch Erweiterungen von Siedlungsgebieten viele dieser ursprünglich auf freiem Feld stehenden Kleindenkmäler in bebaute Gebiete eingegliedert.

Typen religiöser Kleindenkmäler

Die religiösen Kleindenkmäler sind in Österreich generell zutiefst vom katholischen Glauben, vor allem aus der Zeit der Gegenreformation, geprägt. Zu ihnen zählen Kapellen, Kapellenbildstöcke, Breitpfeiler, Totenleuchten, Bildstöcke, aber auch Bildbäume, Grotten und Glockentürme. Nachfolgend eine kurze Beschreibung dieser einzelnen Typen:

 

Text: Josef Neuhold