♪ Franz von Suppè: Musikalische Sommerfrische in Gars ♪
Als Komponist, Kapellmeister und musikalischer Visionär prägte Franz von Suppé (1819-1895) das Musikleben des 19. Jahrhunderts nachhaltig.
In dieser digitalen Ausstellung widmen wir uns dem „Vater der Wiener Operette“, und erzählen, warum ihm das Zeitbrücke-Museum in Gars am Kamp eine Gedenkstätte mit aktuellen digitalen Projekten widmet.
„O zum Komponieren, erwiderte er schmunzelnd, brauche ich das Klavier nie. Ich höre meine Sachen im Geiste stets voll instrumentiert und so schreibe ich sie auch sofort nieder.“
Franz von Suppè; zitiert aus Curt von Zelau, Die Wiener Operette, S. 165 ff. In: Deutsche Revue 10. Jg. 3. Band (1885)
Welterfolg Wiener Operette
Franz von Suppè wurde am 18. April 1819 in Split im heutigen Kroatien geboren und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Operette – manche sehen ihn sogar als deren Begründer. Seine musikalische Ausbildung erhielt er unter anderem bei Simon Sechter und Ignaz von Seyfried in Wien. Bereits mit 21 Jahren trat er als Kapellmeister am Theater an der Josefstadt in Erscheinung. Später wirkte er auch am Theater an der Wien und am Kai-Theater in der Leopoldstadt.
Als besonderes Ereignis ging die Uraufführung seines Werks "Das Pensionat" am 24. November 1860 im Theater an der Wien in die Musikgeschichte ein: dieses Datum gilt als Beginn der „Goldenen Ära der Wiener Operette“. Suppè orientierte sich bei diesem Werk an den Operetten von Jacques Offenbach, die er als Kapellmeister in Wien erfolgreich aufführte. Seinen eigenen Kompositionen verlieh er eine spezifisch wienerische Note.
Zunächst blieb Suppè der einzige Operettenkomponist in Wien, bis ihm Karl Millöcker (1842–1899) und Johann Strauß Sohn (1825–1899) folgten. Gemeinsam bildeten sie das Dreigestirn der klassischen Wiener Operette und leiteten die „Goldene Operetten-Ära“ ein. Später kamen auch Carl Zeller (1842–1898), Richard Heuberger (1850–1914) und Karl Michael Ziehrer (1843–1922) hinzu. Um 1900 setzte die „Silberne Ära“ ein, die den Untergang der Habsburgermonarchie widerspiegelte und in den Operetten der „guten alten Zeit“ nachgetrauert wurde.
Suppès Stärke lag in den Marschrhythmen, die seine Werke vor übermäßiger Sentimentalität bewahrten. Berühmt wurden der "Fatinitza-" und der "Boccaccio-Marsch" wie auch die Melodie aus dem "Alraunl", die später als "Das ist mein Österreich" bekannt wurde. Er kombinierte Wiener Operette und Wiener Walzer mit italienischen Einflüssen und feierte damit großen Erfolg. Besonders seine Ouvertüren galten als Meisterwerke: nie banal, oft rätselhaft für die Kritik, aber stets gefeiert vom Publikum.
Franz von Suppè starb am 21. Mai 1895 in Wien. Sein umfangreiches Œuvre umfasst über 200 Bühnenwerke, darunter 26 aufgeführte Operetten und 3 Opern, rund 140 Lieder und Chöre sowie zahlreiche Bühnen- und Kirchenwerke..
Franz von Suppè privat – und im Museum
Neben seiner künstlerischen Tätigkeit war Suppè ein geselliger und lebensfroher Mensch. Briefe und Anekdoten zeigen ihn als humorvollen Gastgeber, der gutes Essen, Wein und Gesellschaft schätzte. Besonders eng war seine Verbindung zum Kurort Gars am Kamp, wo er ab 1876 regelmäßig die Sommermonate verbrachte. Die Region wurde für ihn und seine zweite Ehefrau Sofie zu einem Ort der Erholung und Inspiration. In der gemeinsamen Villa in der Kremser Straße 40 – später als „Boccaccio-Haus“ bekannt – entstanden neue Kompositionen. Künstler*innen wie Johann Strauß Sohn, Carl Millöcker und Bertha von Suttner gingen hier ein und aus. Letztere inspirierte ihn zur Vertonung ihres pazifistischen Werkes "Die Waffen nieder".
Bereits 1895, im Todesjahr des Komponisten, richtete seine Witwe Sofie ein Suppè-Museum im ehemaligen Landsitz der Familie ein. Sie betreute die Sammlung persönlich und führte Besucher*innen durch die Räume mit dem Klavier des Komponisten, Partituren und persönlichen Gegenständen.
Ein Feuilleton aus dem Jahr 1895 berichtet:
„Das treue alte Klavier […] steht heute noch in dem ausgestorbenen Arbeitszimmer des Landhauses in Gars […] denn vor diesem alten ‚Hackbrett‘ saß Suppè stets noch, wenn er auf dem Lande draußen komponierte […] und da sind auch die meisten Tonstücke zum ‚Modell‘ entstanden.“
„Etwas von Suppè“, S. 13. In: Fremdenblatt, 4. Oktober 1895
Eine frühe Museumsgründerin
Sofie von Suppè überlebte ihren Mann um 31 Jahre. Sie kam jeden Sommer mit ihrer Köchin und einer Gesellschafterin nach Gars, wie die so genannten "Fremdenlisten" der Marktgemeinde belegen. Aus mündlichen Überlieferungen, gesammelt blieb uns ihr Bild überliefert: klein von Gestalt, städtisch gekleidet, mit einem Häubchen mit blauen Veilchen, unternahm sie tägliche Spaziergänge mit ihrer Kammerzofe und ihrem Hund. Als Wohltäterin hatte sie ein offenes Herz für Bedürftige.
Das Andenken an ihren Ehemann hielt Sofie von Suppè stets hoch:
„Sie treibt einen rührenden Cultus mit dem Andenken an den Todten […]. Wir dämpfen unwillkürlich den Ton herab […].
Das große Bett steht noch da, als ob er gestern darauf übernachtet hätte […].“Bernhard Buchbinder, Erinnerungen an Franz von Suppè. In: Neues Wiener Journal (2374/2.6.1900)
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Sofie von Suppè zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Marktgemeinde Gars in Kontakt trat, um ihre Sammlung an Möbeln, Textilien, Theaterzetteln, Noten- und Programmheften sowie zahlreichen Originaldokumenten und Briefen öffentlich zugänglich zu machen. Mit Erfolg: 1902 wurde im Rathaus ein Lokalmuseum eingerichtet, das sich dem Andenken von Franz von Suppè widmete. Dank dieser Inititative entstand in Gars am Kamp eines der zehn ältesten Stadtmuseen Niederösterreichs!
Zwischenzeitlich war die Gedenkstätte in der Kremser Straße 40 untergebracht, seit 2002 sind die Objekte im Zeitbrücke-Museum in der Kollergasse beheimatet. Besondere Highlights der Ausstellung sind Suppès Schreibtisch, ein Klavierflügel, ein handgeschriebenes Libretto zu "Donna Juanita" und ein Stammbaum der Familie Suppè.
Digitales Erbe und Vermittlung für junge Generationen
Zur Jubiläumsausstellung 2019 wurde der Sonderausstellungsraum im Zeitbrücke-Museum neu gestaltet, mit audiovisuellen Elementen ausgestattet und durch Leihgaben aus dem Wien Museum und der Österreichischen Nationalbibliothek ergänzt. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur das musikalische Werk Suppès, sondern auch sein soziales Umfeld, seine familiären Wurzeln und die Architektur der Gründerzeit in Gars.
Neben der physischen Ausstellung setzt das Zeitbrücke-Museum auf digitale Vermittlung und präsentiert anlässlich Franz von Suppès 130. Todesjahres (1895/2025) neue Formate. Im Rahmen des Projektes "Orte der Musik" werden vom engagierten Museumsteam Briefe des Komponisten digitalisiert, Wikidata-Einträge erstellt und interaktive Geschichten für Kinder und Jugendliche entwickelt. Ziel ist es, das musikalische Erbe Suppès zeitgemäß und niederschwellig zugänglich zu machen, auch und gerade für ein junges, kulturinteressiertes Publikum.
Herzliche Einladung zu Museums- und Musikbesuch
Das Zeitbrücke-Museum Gars bietet eine große Themenvielfalt: Neben Franz von Suppè erzählt es mit Hörstationen auch von Falco, einem anderen berühmten Wahl-Garser. Weitere Ausstellungsschwerpunkte liegen auf der Archäologie und Siedlungsgeschichte der Region, auf der Zeit der Babenberger und der Garser Burg sowie auf Handwerk, Zunftwesen und Sommerfrische. So ist hier das 1. Österreichische Handelsmuseum, das die traditionsreiche Geschichte des Garser Handelshauses Kiennast (seit 1585 bestehend), untergebracht. Zudem ist die Zunft der Fleischhauer in Gars dokumentiert, die seit 2023 als nationales immaterielles Kulturerbe in Österreich gelistet ist.
Das Museum ist für Besucher*innen von April bis Oktober an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 10-12 Uhr und von 14-17 Uhr geöffnet.
Datenbasis und Dokumentation: Silvia Schuster, Anton Ehrenberger und Leonhard Huber
Text: Barbara Linke
Weiterführende Links:
- Zeitbrücke-Museum Gars
- Briefe von Franz von Suppè digital
- Orte der Musik: Musik in niederösterreichischen Regionalmuseen und Sammlungen
- Im Chat mit MuseumsMenschen: Entdecken Sie die zehn ältesten Stadtmuseen Niederösterreichs

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