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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Edle Farben aus dem Berg

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Amethyst von Eggenburg (12 cm); Sammlung und Foto: Knobloch Gerald, Aggsbach-Dorf


An den Hängen des Manhartsberges und seinen Ausläufern werden seit langem gute Weine produziert. Da ist es praktisch, gleich in der Nähe ein „Gegenmittel“ zu finden, sollte man zu viel davon genossen haben. Es ist aber kein Heilkraut, sondern ein violetter Stein:

Im antiken Griechenland glaubte man, ein Amethyst könne vor Trunkenheit schützen (griech. „amethystos“ = unberauscht). Eine Erklärung sah man in der Farbe, die stark verdünntem Rotwein gleicht, der nicht mehr trunken machen kann. Man folgte also dem Grundsatz „similia similibus curantur“ – Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden.

 

Amethyst

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man bei Maissau die Ausläufer eines weiß und violett gebänderten Quarzganges, der alsbald Wissenschaftler wie Glücksritter anzog. Vor rund 20 Jahren wurde ein Teil des Vorkommens freigelegt und darüber ein Schauraum errichtet, der seitdem Besucher anzieht: die Amethyst Welt Maissau.

Schon 100 Jahre zuvor war der Amethyst von Eggenburg bekannt, aus dem damals allerlei Schmuck- und Ziergegenstände gefertigt wurden; Tabakdosen etwa, die Eingang in alle wichtigen Sammlungen dieser Zeit gefunden haben, z. B. in die kaiserliche Edelsteinsammlung, heute Teil der Sammlungen des Naturhistorischen Museums. Wissenswertes über die Entstehung dieses außergewöhnlichen Vorkommens erfährt man auch im Eggenburger Krahuletz-Museum.

Granat

„Feueräugig“ (von griech. „pyropos“) benannte man eine intensiv purpurrote Granatart, den Pyrop. Im 19. Jahrhundert kam dieser Edelstein groß in Mode. Reiche böhmische Vorkommen lieferten das Rohmaterial für Ketten, Ringe und Broschen. Auch das Stift Göttweig profitierte davon, indem es ein Vorkommen im Dunkelsteiner Wald beschürfte und Material an die böhmischen Steinschleifer lieferte. Schöne Exemplare kann man im Mineralienzentrum Steinstadel von Aggsbach-Dorf und in der Mineraliensammlung des Stiftes Melk bewundern.

Azurit und Malachit

Intensiv blaue und grüne Mineralfarben zeigen oft kupferhaltige Erze an, bei deren Verwitterung sie entstehen. Dahinter stecken meist die Minerale Azurit und Malachit. Man findet sie häufig in den alten Bergbaurevieren bei Reichenau an der Rax.
Ein spektakulärer, aber wieder in Vergessenheit geratener Fund grüner, durch Malachit gefärbter Tropfsteine wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in einem alten Bergwerksstollen gemacht. Proben wurden entnommen, ein kurzer Bericht verfasst, dann verschwanden die Objekte für lange Zeit. Erst 2005 wurden sie wiederentdeckt. Ein solcher Tropfstein ist nun in der Eingangshalle der Geologischen Bundesanstalt in Wien zu bestaunen.

Katzengold

Die goldgelbe Farbe von Pyrit hat schon so manchen in die Irre geführt. Nicht umsonst nennt ihn der Volksmund auch Katzengold. In den Lagerstätten des Semmering-Wechsel-Gebietes ist er oft anzutreffen, mitunter auch in schönen Kristallen. Er ist aber überall im Bundesland verbreitet und wird gerne in Museen zur Schau gestellt.

Opal

Eine mineralogische Besonderheit bietet das obere Waldviertel. Sein Aussehen ist meist unscheinbar, die Farbentwicklung „bescheiden“. Bei Dobersberg und Waldkirchen allerdings macht er eine Ausnahme: Hier findet man ihn als Dendritenopal. Zwar hat auch dieser keine intensive Farbe, ist überwiegend cremeweiß mit einem Schlag ins Bläuliche, aber seine aparte Zeichnung, die an ein Baumgeäst erinnert (griech. „dendros“ = Baum), hebt ihn deutlich hervor. Obschon seit etwa 150 Jahren bekannt, verwendete man ihn nur sporadisch zu Schmuckzwecken. Eine oft aufgesuchte Fundstelle wurde Dobersberg erst in den 1960er-Jahren, als Mineraliensammeln eine beliebte Freizeitbeschäftigung wurde. Sehen kann man den Dendritenopal vor Ort im Naturparkzentrum Dobersberg und natürlich in fast allen größeren Museen des Landes.

Bergkristall und Rauchquarz

Zuletzt dürfen wir noch den farblosklaren Bergkristall und seinen braun gefärbten Bruder, den Rauchquarz, vorstellen. Sie bestechen durch klare
Formen und glänzende Flächen. Erstaunlich große Kristalle kann man im Museum Horn und im Haus der Natur des Museums Niederösterreich sehen. Auch die „Lange Nacht der Edelsteine“ am 19. Oktober in der Amethyst Welt Maissau bietet eine gute Gelegenheit, in das Thema einzutauchen.

 

 

 

 

 

Text: Andreas Thinschmidt