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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

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Verena Piatti und Machiko Furuya Hoshina im Scherbenzimmer, auf dem Boden aufgelegt Porzellanscherben

Verena Piatti und Machiko Furuya Hoshina im Scherbenzimmer

Verena Piatti gebührt genau jener Titel, den nur das Publikum verleihen kann. Die heute 65-jährige verkörpert die Grande Dame exakt wie sie im Buche steht: Eine Künstlerin, die wegen ihrer Lebensleistung, ihres Erfahrungsschatzes und ihrer inspirierenden Dynamik eine eigene Institution und ein unverwechselbarer Charakter geworden ist. So viel Adel muss sein, wenngleich Verena Piatti vollkommen unprätentiös ist. Der rothaarige Wirbelwind hat das altehrwürdige Schloss Loosdorf, das die aus Bergamo stammenden Grafen Piatti während des Wiener Kongress 1834 erstanden, gemeinsam mit ihrem Mann Alfons im wahrsten Sinn des Wortes geöffnet.

Weinviertler Konzerte

Alfons Piatti war unter den Pionieren der biologisch dynamischen Landwirtschaft, auf 380 Hektar fruchtbarem Ackerland wachsen seit fast vier Jahrzehnten hochwertige Lebensmittel „für Körper, Geist und Seele“. Ins Schloss lädt Verena Piatti seit 1992 zu erlesenen Konzerten ein. Aus den „Internationalen Meisterkursen für Klavier“ entwickelte sich ein weiterer Konzertzyklus, seit 2007 fungiert Prof. Reinhard Latzko als künstlerischer Leiter des „Jungen Podium Schloss Loosdorf“. „Mein Wunsch, eine Auftrittsmöglichkeit für junge Musiker zu schaffen“, sagt Verena Piatti, „ist in Erfüllung gegangen. Die Konzerte haben sich etabliert, und die Idee des ,klein, aber fein’ hat sich bewährt.“ Zusätzlich leitet die Kultur-Managerin den Museumsbereich des Schlosses. Besucher dürfen durch das klassizistische Interieur der Prunkräume lustwandeln, Zinnfiguren und allerlei Kunstschätze bewundern. Und kommen dabei auch in das mittlerweile weltberühmte Scherbenzimmer, in dem eine ganz besondere Geschichte ihren Ausgang genommen hat.

Japanisches Porzellan

Hier hat der Großvater der Familie nach dem Abzug der russischen Besatzer etwas Außergewöhnliches begonnen. Auf der Suche nach Geld und Pretiosen hatten die Soldaten die wertvolle und zuvor eingemauerte Porzellansammlung des Schlosses zum größten Teil verwüstet, „der Russe“ hat sich sozusagen aufgeführt wie der Serschant im Porzellanladen.  „Der Großvater hat die Scherben nicht weggeworfen, sondern sie wie ein Mahnmal gegen den Krieg aufgelegt.“ Davon haben die Piattis vor fünf Jahren auch im Rahmen einer Japan-Reise erzählt, was die anwesende Tee-Zeremonienmeisterin sofort hellhörig werden ließ. Ein Research-Team einer japanischen Universität flog nach Loosdorf ein und stellte fest, dass der Großteil der Scherben aus japanischem Porzellan, dem sogenannten Old Imari aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammte. Dann kam ein ganzes Team aus japanischen Experten und Studenten, das alles akribisch untersuchte. Schließlich wurden viele der Scherben nach Japan geschickt, wo die schönsten Stücke restauriert wurden. Einzelne Gefäße und edelstes Geschirr wie Platten oder Schalen werden nun in gleich mehreren bedeutenden Kunstmuseen Japans ausgestellt. Unter dem Titel „The Tragedy of Loosdorf Castle“ wird die „Zerstörung und Wiedergeburt“ des dazumal teuer exportierten Kulturgutes gezeigt. Verena Piatti möchte den Porzellan-Schatz nach der Rückkehr aus Japan in Wien ausstellen. Bis dahin ist die umtriebige Kunstschaffende auch als ausgebildete Astrologie-Wissenschaftlerin tätig. „Anliegen meiner astrologischen Arbeit ist, den Menschen in seiner inneren Vielfalt zu betrachten und ihn dadurch mit sich selbst auf neue Weise in Berührung zu bringen“, sagt Verena Piatti, „der Mensch ist schließlich mehr als die Summe seiner Teile."

 

Text: Andreas Kuba

Dieser Artikel ist ursprünglich im Schaufenster Kultur.Region erschienen.