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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Blütenpracht in Pitten

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"Im Rosengarten, da vergess' ich alles"


Eine himmlische Duftwolke entfaltet sich rund um den barocken Pfarrhof von Pitten, wenn 180 Rosen derselben Sorte gleichzeitig blühen. Der zweitgrößte Rosengarten Niederösterreichs wird von ehrenamtlichen Gärtnerinnen und Gärtnern gepflegt.

Es kann schon einmal sein, dass Herr Göschl abends etwas ungeduldig wird. Zwei- bis dreimal pro Woche ist seine Frau Malu mit ihrem Team aus freiwilligen Helfern im Rosengarten zugange und hat dabei nicht erst einmal die Zeit vergessen. „Gärtnern ist die pure Erholung – egal, wie anstrengend es ist“, findet die Obfrau des Vereins „Rosengarten Pitten“ Malu Göschl.

Eigentlich hätte der Garten ja auch gar kein so großes Projekt werden sollen. Helmut Fiala, selbst Züchter von Freilandrosen, hat der gelernten Gärtnerin Malu Göschl vor über zehn Jahren den Floh ins Ohr gesetzt, dass der Platz vor dem barocken Pfarrhof in Pitten doch ein perfekter Ort für einen Rosengarten sei. Bald waren sie schon nicht mehr die Einzigen, bei denen der Funke zu dieser Idee übergesprungen war. Im Jahr 2007 wurden die Sektion Rosengarten des Obst- und Gartenbauvereins Pitten gegründet, Pachtverträge mit der Pittener Pfarre und Gemeinde abgeschlossen und schon im nächsten Frühjahr die ersten Beete eingefasst und Wildrosenstöcke gesetzt. Heute blühen auf 1.600 m2 über 2.600 Rosenstöcke von über 100 verschiedenen Rosensorten.

Ohne ihre vielen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sich auch heute noch allesamt unentgeltlich um die Pflege des Gartens kümmern, hätte Malu Göschl dieses große Projekt nicht stemmen können. Das Land, die Gemeinde, der Bauhof und private Sponsoren griffen ebenfalls unterstützend ein.

Zeit zu feiern

Heuer feiert der Rosengarten sein 10-jähriges Bestehen, aber auch die Marktgemeinde Pitten hat Geburtstag. Es ist bereits ihr 1150ster – die Marktgemeinde ist demnach älter als Wiener Neustadt. Anlässlich dessen wird es beim heurigen Rosengartenfest zu einer feierlichen Rosentaufe kommen.

Natur im Garten

Die Plakette des Landes Niederösterreich hat sich der Rosengarten wahrlich verdient. Bei einer Überprüfung der naturnahen Bewirtschaftung, Kompostierung und der Pflanzenschutzmittel wurde festgestellt: Hier wird zu 100 Prozent ökologisch gegärtnert. Von April bis September wird von Göschl und ihren Gartenhelfern nicht nur mehrmals wöchentlich Unkraut gejätet, gegossen, der Rasen gemäht und Beetpflege betrieben: Zwei Herren sind einmal in der Woche mit einer Karrenspritze unterwegs, um 150 Liter biologisches Spritzmittel auf den Rosen zu verteilen. „Das ist eine wahnsinnige Arbeit, aber natürliche Mittel wie Schachtelhalm und Co helfen unseren Rosen dabei, dass sie widerstandsfähig sind und sich gegen Schädlinge wehren können.“

Auch an die Bienen wird gedacht. In letzter Zeit setzt das Gärtnerteam vermehrt auf ungefüllte Kletterrosen. Dadurch, dass sie nur einen Blätterkranz haben, kommen die gelben Helfer und viele andere Insekten viel leichter in das Blüteninnere. Das erleichtert ihnen die Arbeit und hilft so indirekt dem gesamten Garten. „Man wird immer umweltbewusster“, meint Göschl. „In einem Garten kann man einfach immer etwas dazulernen.“

Der Garten ist für alle da

So kommt es auch öfters vor, dass Besucher sich Rat bei den Pittener Rosengärtner holen. Probleme mit dem eigenen Garten werden gerne zwischen Beetkante und Gießkanne diskutiert. Das Team des Vereins nimmt sich gerne die Zeit und versucht zu helfen, wo es kann.

Interessierte haben auch die Möglichkeit, eine Gartenführung zu buchen. Andere wiederum nutzen den Garten als reine Ruheoase. Manche kommen nur zum Schlendern und lassen den Blick über den barocken Pfarrhof, die Bergkirche und das Schloss Pitten schweifen. Andere nutzen den Garten als Leseplatz und verbringen Stunden in einem der Liegestühle, ganz in ihr Buch vertieft. "Jeder soll den Garten so nutzen, wie er will! Es ist schön, dass die Leute wieder entdecken, wie viel Kraft man aus so einem Garten herausholen kann", so Malu Göschl.

Die persönliche Rose

Ein besonderes Geschenk ist die Rosenpatenschaft. Die Paten dürfen sich ihre Lieblingskletterrose aussuchen, die für die nächsten drei Jahre ihren Namen tragen wird, und bekommen eine Urkunde.

Auf die Frage nach ihrer Lieblingsrose hat Malu Göschl keine Antwort: „Das ist jedes Jahr eine andere. Ich will da keine bevorzugen. Aber als Gärtnerin sind mir die mit weniger Stacheln natürlich etwas lieber.“ Und dann lacht die Rosengärtnerin wieder.

Text: Patricia Nekuda

Öffnungszeiten

Der Rosengarten Pitten ist ganzjährig tagsüber frei zugänglich, die Blütezeit ist von Mai bis Oktober.

Der Besuch des Rosengartens lässt sich mit einer Führung durch Pittens Berg- und Felsenkirche und einem Besuch des 2019 neu eröffneten Pittener Regionsmuseums „Zeitsprünge im Land der 1000 Hügel“ oder der nahegelegenen Zinnfigurenwelt Katzelsdorf verbinden. www.rosengarten-pitten.at

Pittener Regionsmuseum: April bis Mitte Nov.: Do–So 10.00–17.00 Uhr, www.pitten.gv.at/piz1000