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Museumsmanagement Niederösterreich, Foto: Katrin Vogg

Franz von Suppè, ein Sommerfrischler wird 200

NÖ MuseenAusstellungen und Veranstaltungen

Das Garser Zeitbrücke-Museum feiert seit 7. Juni 2019 Suppès 200. Geburtstag mit einer Jubiläumsausstellung. Schließlich ist Gars, wo Suppè in den Jahren 1876 bis 1879 auf Sommerfrische war und zwischen 1879 und 1895 seinen Landsitz hatte, ein bedeutender Abschnitt in Suppès Leben. Dem ersten Gars-Aufenthalt sind zwei einschneidende Lebensereignisse vorangegangen: Zuerst stirbt im Juni 1875 Suppès 88-jährige Mutter, die seit 1867 bei ihm und seiner Ehefrau gewohnt hat. Dann wird Anfang 1876 „Fatinitza“, die zweite abendfüllende Operette des bereits 57-jährigen Komponisten ein Welterfolg. Beide Ereignisse erlauben es dem Ehepaar Suppè, 1876 nach Gars auf Sommerfrische zu fahren, wo sie nach dem künstlerischen und finanziellen Triumph seiner Operette „Boccaccio“ 1879 Grund und Haus erwerben.

Suppès Gars-Aufenthalte

Suppè war ein geselliger, lebenslustiger Mensch, der es liebte, mit Freunden zu essen, trinken und feiern. Demgemäß besuchten ihn seine Wiener Freunde gerne in Gars, wo er seinen Landsitz eigens mit großen Speisesaal, Garten-Park und Kegelbahn ausgestattet hatte.

Naturgemäß hatte Suppè auch in Gars Freunde und Stammlokale. So berichtet die Malerin Olga Wisinger–Florian, die zwischen 1888 und 1892 selbst fünf mehrmonatige Gars-Aufenthalte genossen hat, wie sie und Suppè bei den „Ingenieurskränzchen“ im „Weißen Rössel“ die halbe Nacht durchgemacht haben. Dabei war Suppè auf die Ingenieure der Kamptalbahn anfangs nicht gut zu sprechen. Denn kaum dass er seinen Garser Grund seinen Wünschen entsprechend gestaltet hatte, wurde sein frisch geschaffenes Elysium 1886/87 vom Kamptalbahnbau bedroht. Schließlich sollte die Bahn ursprünglich in Gars über Suppès Garten-Park Richtung Nonndorf und Horn abzweigen. Folglich hat Suppè mit anderen Grund- und Villenbesitzer sowie der Unterstützung der Gemeinden Gars und Rosenburg, die den Verlauf der Bahnroute dem Kamp entlang wünschten, eine Kampagne betrieben, die zum heutigen Streckenverlauf geführt hat, womit Suppè im Kamptal bleibende Spuren hinterlassen hat.

Bald verstand sich Suppè mit dem für die Errichtung der Kamptalbahn verantwortlichen Bauingenieur Adolf Krousky so gut, dass das Ehepaar Suppè am 16. April 1889, zwei Tage vor Suppès 70. Geburtstag und drei Monate vor der offiziellen Eröffnung Draisinen-Fahrten unternehmen durfte: „Ich und Frau waren heute im Kampthal und fuhren, in einer Draisine, die ganze neue Bahnstrecke von Horn nach Hadersdorf durch – somit waren wir die Ersten, die auf dieser Bahn fuhren. – Es war sehr unangenehm kalt und windig, doch das Vergnügen und die Überraschung über die Schönheit der Bahn entschädigten uns für Alles.“

Suppès Spuren in Gars

Suppès sichtbare Spuren in Gars sind sein einstiges Sommerfrische-Quartier (Haanstraße 27) mit der Gedenktafel, dass er hier 1878 den „Boccaccio“ komponiert hätte, sein Landhaus (Kremser Straße 40-41) sowie das diesem benachbarte, von seiner Witwe errichtete Gärtnerhaus (Kremser Straße 136).

Samstags, sonn- und feiertags ist im Zeitbrücke-Museum der „Suppè-Gedenkraum“, die einzige ständige Suppè-Ausstellung Europas, zu sehen. Er wird heuer durch eine Jubiläumsausstellung ergänzt. Ausstellungsschwerpunkte sind die Geschichte von Sofie von Suppès Garser Suppè-Museum (1896-1908), des daraus entstandenen Wiener Suppè-Zimmers (1912-1932) sowie Porträts von Suppè, seiner Familie und seinem Freundeskreis. Weiters werden erstmals verbriefte biografische Fakten vorgelegt, die Ergebnis intensiver Recherchen sind, die vieles, was über Suppè veröffentlicht wurde, grundlegend korrigieren. 

Darüber hinaus beleuchten weitere Ausstellungsmodule das reiche architektonische Erbe der Garser Gründerzeit sowie die Rolle der Frauen Sofie von Suppè als Gründerin des ersten Suppè-Museums und Bertha von Suttner als Friedensnobelpreisträgerin in einer patriarchalisch dominierten Gesellschaft. Weiters werden Briefe Suppès aus der Garser Zeit vorgestellt, die sich heute im Besitz des Zeitbrücke-Museums befinden.

Tipps

Andreas Weigels Blog Stars in Gars über die vernachlässigte Tourismusgeschichte und ausgewählte Künstlergäste der Kamptal-Sommerfrische Gars-Thunau, u.a. Franz von Suppè

Buch: Andreas Weigel: Franz von Suppè (1819-1895). Musiker. Menschenfreund. Ehrenbürger von Gars. Begleitpublikation zur gleichnamigen Jubiläumsausstellung des Zeitbrücke-Museums Gars. Mit Beiträgen von Andreas Weigel, Anton Ehrenberger, Ingrid Scherney und Christine Steininger. ISBN 978-3-9504427-4-8. 29 Euro.

Zeitbrücke-Museum

200 Jahre Franz von Suppè-Jubiläumsausstellung, bis 6.10.2019

Kollergasse 155
3571 Gars am Kamp

Öffnungszeiten:
Sa, So, Fei 10.00-12.00 Uhr, 14.00-17.00 Uhr
www.zeitbruecke.at

Text: Andreas Weigel