Probitz - diatonische Knopfharmonika "HELIGONKA"
Instrumententyp: Freischwingendes Aerophon, Handzuginstrument, wechseltönig (bisonor). a: Diatonische Knopfharmonika (Heligonka) im b: schwarz bemalten Transportkoffer aus Holz und Sperrholz. Heligonka: Holzgehäuse mit Intarsien (detailreicher floraler/geometrischer Ornamentik) und metallenem Schallgitter. Leder-Hand und Umhängeriemen. Mindestens 2- reihige Diskanttastatur mit 19 Knopfgriffen aus Perlmutt. Der Balg besteht aus 12 Falten, die auf einer robusten Holzrahmenkonstruktion montiert sind.
Inventarnummer
SMHM1202 a-b
Objektgeschichte
Die Heligonka von Josef Rudorfer, mehr als nur ein Instrument: Im Jahr 1945, als die Welt in Trümmern lag und viele Menschen ihre Heimat verloren, geschah in der Gemeinde Probitz etwas Besonderes. Der damals siebzehnjährige Josef Rudorfer war gezwungen, sein Zuhause zu verlassen. Doch auf seinem Rücken trug er nicht nur die Last seiner Vergangenheit, sondern auch ein kostbares Stück, das ihm alles bedeutete: seine geliebte Knopfharmonika. Es war kein gewöhnliches Instrument; es war ein Erbstück, welches sein 1896 geborener Vater in jungen Jahren gekauft und an ihn weitergegeben hatte. Mit jedem Schritt durch die kalte Thaya-Strömung, die er watend überquerte, rettete Josef nicht nur ein Musikinstrument, sondern auch einen Teil seiner Seele und die seiner Familie. Im Lager in Laa an der Thaya, wo die Familie Rudorfer für etwa zwei Jahre "Zuflucht" fand, wurde die Heligonka zu einem Symbol des Trostes. Josef Rudorfers Vater, selbst ein begnadeter Musiker, spielte zusammen mit seinen Söhnen und den Musikanten Sedlaczek und Hommer auf dem Instrument. Ihre Musik erfüllte die kargen Räume, linderte den Schmerz der Vertreibung und schenkte den Lagerinsassen Momente der Freude und des Vergessens. Die Heligonka erzählte von vergangenen Zeiten, von verlorener Heimat, aber auch von unerschütterlichem Lebensmut. Doch die Musik tat noch mehr. Wo junge Herzen zusammenkamen, wurde auch getanzt, und in diesen Momenten der Ausgelassenheit und des Zusammenhalts fand Josef Rudorfer nicht nur Trost, sondern auch die Liebe seines Lebens. Er traf Elvira, seine zukünftige Gattin, und ihre gemeinsame Geschichte begann im Rhythmus dieser besonderen Heligonka. Die Heligonka von Josef Rudorfer ist ein Denkmal für Widerstandsfähigkeit, Gemeinschaft und die unvergängliche Kraft der Musik, eine Melodie der Hoffnung, selbst in den dunkelsten Stunden des Lebens einen Weg zum Licht zu weisen.
Schlagworte GTK
Freie Schlagwörter
Handzuginstrumentenmacher, Harmonikainstrument, Südmähren
Thema
Musik
Material
Eisen, Holz, Holzfaserwerkstoff, Leder, Messingblech, Perlmutt
Ikonographie
Hersteller/Signatur: "Antonín Hlaváček Louny Cechy", "Heligonka"
Entstehungszeit
1895-1922
Anzahl/Stück
1
Höhe
32.5 cm
Breite
32.5 cm
Tiefe
19 cm
Technik
beschichtet, intarsiert, Mischtechnik
Hersteller
Instrumentenbauer Antonín Hlaváček
Objekttyp
Museumsobjekt
Fundort
Pravice
Herstellungsort
Louny
Dargestellter-, erwähnter Ort
Louny
Lizenzbedingung
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