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Herzensprojekt Museum

NÖ MuseenMuseumsarbeit
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Von sakraler bis moderner Kunst, von Industriegeschichte bis Naturkunde, von Bildhauerei bis Landtechnik:

So reichhaltig die Themen sind, denen sich niederösterreichischen Museen und Sammlungen widmen, so vielfältig sind auch die Geschichten der Museumspersönlichkeiten, die diese Institutionen prägen.

Wir stellen vier Museumsmenschen und ihre Beweggründe vor.  

Univ.-Prof. Dr. Anja Grebe, Projektleiterin an der Donau-Universität Krems, begrüßte die Tagungsteilnehmenden und verkündete erfreut die geglückte Verlängerung des Projekts "MuseumsMenschen" bis Februar 2020. Mag. Hermann Dikowitsch, Leiter der Gruppe Kultur, Wissenschaft und Unterricht im Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Univ.-Prof. Dr. Ernst Bruckmüller vom Institut für Österreichkunde, Mag. Ulrike Vitovec, Leiterin des Museumsmanagement Niederösterreich und der Wiener Neustädter Stadtrat Franz Piribauer sprachen Grußworte.

In ihrem einleitenden Vortrag bot Mag. Dr. Celine Wawruschka einen gelungenen Überblick über die Entwicklung der niederösterreichischen Stadtmuseen im Zeitalter des ersten Bürgertums bis zum Beginn des ersten Weltkriegs. Zumeist angeregt durch bürgerliche Privatsammlungen oder Kuriositätenkammern in Rathäusern dienten die frühen Museen vielen Zwecken: sie halfen, Identität zu schaffen, boten dem Stadtbürgertum eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung durch Objektspenden und sollten mitunter durch ethnische Abgrenzung die Heimatliebe stärken.

Radikal denken und Stadtlabor unterwegs

Um identitätsstiftend für den Ort und seine Bewohner zu sein, bedarf es neben der Öffnung des Museums auch anderer Formate und Themen.

Zum Beispiel das Verlassen der Museumsräume und Hinausgehen zu den Menschen, wie es das Historische Museum Frankfurt in seinem Stadtlabor unterwegs macht. Es entstanden Filme, Ausstellungen, Sammlungs-Checks zum Thema Migration – alle partizipativ, gemeinsam mit den Frankfurterinnen und Frankfurtern. Die Menschen vorort wurden als Expertinnen und Experten zu relevanten Mitgestaltenden.

Es bedarf der Kooperation mit anderen Institutionen, mit Stadtentwicklern, Schulen, Künstlerinnen und Künstlern, sozialen Einrichtungen, NGOs - eben auch mit „absolut genrefremden“ Personen oder Institutionen – deren kritischer Blick von außen wertvollen Input liefern kann.

Es bedarf Themen wie Mobilität, Umwelt, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Migration, Integration, Stadtentwicklung – Themen, die die Menschen heute bewegen.

Es kann ruhig auch mal radikal gedacht werden. Wozu brauchen wir überhaupt Museen? Wie schaut ein Museum ohne Objekte aus?

Es soll die Öffnung für und Einbindung von neuen Zielgruppen überlegt werden. In Stuttgart, der „Mutterstadt des deutschen Hip-Hops“ wurde dem im Stadtpalais – Museum für Stuttgart Rechnung getragen, und zwar mit Veranstaltungen wie Jam Sessions oder etwa einer Sonderausstellung zu den „Fantastischen Vier“.

 

Partizipativ, inklusiv, digital - und im Burnout?

Viel Stoff zum Nachdenken und Evaluieren, umfassende Einblicke in aktuelle Museumsthemen, viele Best-Practice-Beispiele und mögliche Zukunftsszenarien für Museen: All das beinhalteten die ersten beiden Tage der Tagung.

Wirklich schade, dass ich unvorhergesehen früher abreisen musste, denn sehr gerne wäre ich noch bei den Praxis-Workshops am letzten Tag dabei gewesen. Vielleicht wären dort auch noch einige Fragen aus der Publikumsdiskussion näher besprochen worden, wie:

„Wir müssen unseren Bildungsauftrag erfüllen und die geforderte Besucherzahl ins Museum bringen. Wo bleiben da noch Ressourcen für Projekte außerhalb unserer Museumsräume?“

Oder: „Wir sind ein kleines, regionales Museum mit limitierten Kapazitäten. Wie sollen wir es schaffen, partizipativ, inklusiv und am Puls der Zeit zu sein?“

Und hier in Niederösterreich?

Diese Fragen aus dem Publikum werden sich wohl auch viele Museumsmenschen aus Niederösterreich stellen. Nein, man kann und soll sich nicht radikal wandeln, das ist wohl weder möglich noch zielführend. Aber viele Museen auch in unserem Bundesland zeigen bereits jetzt beispielhaft vor, wie mit kleinen Impulsen und Interventionen Schritte gesetzt werden, damit die Museen in unseren Regionen relevante Orte für die Gesellschaft im 21. Jahrhundert sind, bleiben und werden.

 

Die Vorträge der Tagung können auf dem YouTube-Kanal der Kulturstiftung des Bundes nachgehört werden.

Hier kann das wunderbare Grapic Recording der Tagung angeschaut werden. 

 

Text: Karin Böhm