CS

Paradies in der Mitte

NÖ Museen
[Translate to Czech:]

[Translate to Czech:]

Abgeschiedenheit. Stille. Besinnung. 

Wie die Klosterkirche prägt auch der Klostergarten unser Bild vom ruhigen Leben der Mönche. Dabei zeigt die Spurensuche den lebhaften Wandel, den die Klostergärten im Laufe der Zeit erlebten. 

Die Wichtigkeit des Gartens betont schon der hl. Benedikt in seiner Mönchsregel: "Das Kloster soll... so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet." Dabei ist klar, dass sich die Idee des Gartens, von dem hier die Rede ist, wenig deckt mit unserer Vorstellung vom gehegten Stückchen Natur. Denn vor allem die Versorgung des Klosters mit (Heil-)Kräutern und Gewürzpflanzen stand am Beginn der jahrhundertealten Tradition; Mönche und Nonnen versuchten, mit Hilfe der "Apotheke Gottes" die gesundheitlichen Nöte ihrer Mitmenschen zu lindern. Heilkundige wie Hildegard von Bingen (die in der Mitte des 12. Jahrhunderts das Wissen ihrer Zeit um die Kräfte der Pflanzen niederschrieb) sind noch heute Inbegriff jenes Vertrauens, dass gegen jede Krankheit "ein Kräutlein gewachsen sei".  

Univ.-Prof. Dr. Anja Grebe, Projektleiterin an der Donau-Universität Krems, begrüßte die Tagungsteilnehmenden und verkündete erfreut die geglückte Verlängerung des Projekts "MuseumsMenschen" bis Februar 2020. Mag. Hermann Dikowitsch, Leiter der Gruppe Kultur, Wissenschaft und Unterricht im Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Univ.-Prof. Dr. Ernst Bruckmüller vom Institut für Österreichkunde, Mag. Ulrike Vitovec, Leiterin des Museumsmanagement Niederösterreich und der Wiener Neustädter Stadtrat Franz Piribauer sprachen Grußworte.

In ihrem einleitenden Vortrag bot Mag. Dr. Celine Wawruschka einen gelungenen Überblick über die Entwicklung der niederösterreichischen Stadtmuseen im Zeitalter des ersten Bürgertums bis zum Beginn des ersten Weltkriegs. Zumeist angeregt durch bürgerliche Privatsammlungen oder Kuriositätenkammern in Rathäusern dienten die frühen Museen vielen Zwecken: sie halfen, Identität zu schaffen, boten dem Stadtbürgertum eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung durch Objektspenden und sollten mitunter durch ethnische Abgrenzung die Heimatliebe stärken.

Ein Blick über die Grenzen

Dr. Gesa Büchert vom Kunstpädagogischen Zentrum Nürnberg und der Universität Erlangen-Nürnberg sorgte für einen Blickwechsel auf die nahe Umgebung: in ihrem Vortrag "Sammelwut und Staatsräson – Die Gründer fränkischer Ausstellungslokale in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts" zeigte sie auf, dass auf heute bayrischem Gebiet die Entwicklung trotz vieler Parallelen etwas anders von Statten ging: hier wurde die Gründung historischer Vereine von König Ludwig I. mittels eines Erlasses vorgeschrieben.

Der Leiter des Krahuletz-Museums in Eggenburg, Dr. Johannes M. Tuzar, veranschaulichte das Leben und Schaffen des Museumsgründers Johann Krahuletz. Zuvor als Büchsenmacher und Eichmeister beschäftigt, machte er sich dank seines Eifers als Feldforscher und Sammler in der Paläontologie und Frühgeschichte schnell einen großen Namen. Dr. Tuzar bot auch einen Einblick in die Verbindungen zwischen Krahuletz und anderen Museumsmenschen, denn, wie das FTI-Projekt beweisen konnte, war bislang nur ein Bruchteil der Kontakte von Krahuletz zu Wissenschaftern, Forschern und anderen Sammlern bekannt gewesen.

Mag. Eveline Klein, Leiterin des Museums St. Peter an der Sperr in Wiener Neustadt, gab nach einer Führung durch die momentan in ihrem Haus gastierende Niederösterreichische Landesausstellung Einblicke in die 200jährige Geschichte der städtischen Sammlung und skizzierte, mit welchen Herausforderungen das Museumsteam bei Umzug und Renovierungen im Museum St. Peter an der Sperr zu kämpfen hatte.

Am zweiten Tag der Veranstaltung begrüßte Mag. Martina Höllbacher, Leiterin der Abteilung Wissenschaft und Forschung im Amt der Niederösterreichischen Landesregierung die Tagungsgäste und betonte, dass das Themenfeld der niederösterreichischen Sammlungen und ihrer Erforschung und Bewahrung auch in Zukunft bei den FTI-Programmen einen Schwerpunkt bilden soll.

Crowd-Sourcing im 19. Jahrhundert

In ihrem Vortrag "Organisiertes Sammeln - Museumsvereine im 19. Jahrhundert"  berichtete Univ.-Prof. Dr. Anja Grebe, Projektleiterin an der Donau-Universität Krems, über die Entstehung des Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg und zog damit den internationalen Vergleich in eine größere Breite. In Nürnberg wurde gleichzeitig mit der Museumsgründung auch eine Aktiengesellschaft gegründet. Aufbauend auf einer Privatsammlung konnte das Museum durch 450 Pflegschaften, die entweder Objekte oder Barschaften spendeten, rasch wachsen. Diese Herangehensweise des Germanischen Nationalmuseums bezeichnete Dr. Grebe als "frühe Crowd-Sourcing-Kampagne", die durch die Spendenlisten heute auch einen großartigen Einblick in die Sozialprofile einzelner Ortschaften zulässt.

Mag. Rocco Leuzzi von den Landessammlungen Niederösterreich in St. Pölten referierte über die Bestandsbildung der volkskundlichen Sammlung des Niederösterreichischen Landesmuseums. Ganz im Gegensatz zu anderen Kronländern gaben in Niederösterreich erst die aufkommenden Stadtmuseen den Anstoß zur vergleichsweisen späten Gründung eines Landesmuseums. Dafür war recht schnell eine Sammlungsstrategie zurechtgelegt worden. Der Grundstock für die volkskundlichen Sammlungen der niederösterreichischen Landessammlungen wurde durch zwei Privatsammlungen gestellt. Ergänzt wurden diese durch geplante Sammelfahrten, bei denen sehr gezielt einzelne Objekte zugekauft wurden.

Nach einer Kaffeepause skizzierte PhDr. Jiří Kacetl vom Südmährischen Museum in Znaim die 140 Jahre lange Geschichte des Museums an der niederösterreichisch-mährischen Grenze. Er betonte, dass es in der Museumsgeschichte und Sammlungsentwicklung kaum Unterschiede zwischen Österreich, Böhmen und Mähren gab. Auch in Znaim gab es einen "MuseumsMensch": Anton Krubka, dank dem das Museum nach langer Herbergssuche schlussendlich in die Burg übersiedeln konnte.

[Translate to Czech:]