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Kellerlandschaften Mitteleuropas

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Zu den vielen verbindenden Elementen im östlichen Mitteleuropa zählt der Weinbau. Rund um diesen entwickelte sich eine Kultur, die von alten Arbeitstechniken über damit verbundene Traditionen bis hin zu den Bauwerken, die in Zusammenhang mit Weinbau entstanden sind, reicht.

Dem architektonischen Erbe des Weinbaues spürte die grenzüberschreitende Ausstellung "Kellerlandschaften Mitteleuropas" in Schloss Jedenspeigen in Niederösterreich und anschließend, um eine Vielzahl von Objekten erweitert, im Malokarpatské múzeum Pezinok in der Slowakei nach.

Univ.-Prof. Dr. Anja Grebe, Projektleiterin an der Donau-Universität Krems, begrüßte die Tagungsteilnehmenden und verkündete erfreut die geglückte Verlängerung des Projekts "MuseumsMenschen" bis Februar 2020. Mag. Hermann Dikowitsch, Leiter der Gruppe Kultur, Wissenschaft und Unterricht im Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Univ.-Prof. Dr. Ernst Bruckmüller vom Institut für Österreichkunde, Mag. Ulrike Vitovec, Leiterin des Museumsmanagement Niederösterreich und der Wiener Neustädter Stadtrat Franz Piribauer sprachen Grußworte.

In ihrem einleitenden Vortrag bot Mag. Dr. Celine Wawruschka einen gelungenen Überblick über die Entwicklung der niederösterreichischen Stadtmuseen im Zeitalter des ersten Bürgertums bis zum Beginn des ersten Weltkriegs. Zumeist angeregt durch bürgerliche Privatsammlungen oder Kuriositätenkammern in Rathäusern dienten die frühen Museen vielen Zwecken: sie halfen, Identität zu schaffen, boten dem Stadtbürgertum eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung durch Objektspenden und sollten mitunter durch ethnische Abgrenzung die Heimatliebe stärken.

... zum Prälatengarten

Deutlich lässt sich diese Entwicklung am Beispiel des Zisterzienserstiftes Zwettl nachzeichnen: An der Stelle eines Ende des 16. Jahrhunderts dokumentierten "baumpgärtels" mit Lusthaus für den Abt wurde ab 1684 ein großzügiger hortus abbatialis (Abtsgarten) angelegt, der auf einer künstlich angelegten Terrasse über ein gemauertes Gartenhaus inmitten regelmäßig angelegter Blumenbeete verfügte. Standbilder der zwölf Monate und ein kostspieliger Springbrunnen, Kübelpflanzen und hölzerne Salettl vermittelten die Atmosphäre eines italienischen Fürstenhofs mitten im rauen Waldviertel. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung wurde im 18. Jahrhundert erreicht. Abt Melchior von Zaunagg ließ (zur selben Zeit mit dem Kirchenumbau) seinen Garten mit einem neuen Pavillon ausstatten, ab 1725 wurden bereits nicht-heimische Pflanzen mit benachbarten Adeligen getauscht – auch wenn geraten wurde, die "Kästenbäumerl" (Kastanien) einstweilen für den Winter noch in Kübeln zu belassen. Wie wichtig dem Abt der Garten war, erkennt man daran, dass die berühmte Zwettler Turmfassade ihre prächtigste Wirkung vom Pavillon des Abtes aus entfaltet.

Sensationell für Gartenfreunde ist übrigens das in seinem Erhaltungszustand einzigartige Heizsystem der Glashäuser aus der Zeit um 1720. Ähnlich der Warmluftheizung in Schloss Hof konnten über ein kammartiges System von Luftkanälen auch in Zwettl die Gewächshäuser temperiert werden. Freude werden aufmerksame Besucherinnen und Besucher außerdem im Frühling haben, wenn – büschelweise! – der "Nickende Milchstern" (Ornithogalum nutans) im Prälatengarten in Blüte steht, eine aus der Türkei stammende Zierpflanze, die im Barock nach Europa eingeführt wurde und einen lebenden Rest der barocken Originalbepflanzung darstellt.

Der Zauber des "Natürlichen"

Die Faszination für geometrische Beetanlagen und zurechtgestutzte Buchsbaumhecken erlosch mit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Auch in den Klöstern kehrte mit dem Geist der Aufklärung neues Interesse für "Natürlichkeit" ein. Die Technik der Glashäuser wurde verfeinert – in Zwettl wandelte man die bestehenden Gebäude in "Sonnenfanghäuser" um, die mit schräg gestellten Scheiben und einem in die Höhe gezogenen Putzgesims die Sonneneinstrahlung optimieren und Schutz vor Hagel bieten sollten. Im Biedermeier wurde um das Stift herum ein "Englischer Park" angelegt, bereichert mit exotischen Gehölzen, wobei die "Babylonische Weide" (echte Trauerweide) oder die Akazie (Robinie) damals noch als Rarität angesehen wurden. Bäume und Steine sollten, mit Sinnsprüchen versehen, das romantische Naturgefühl steigern und zum Nachsinnen anregen. Aufwendig begann man immer anspruchsvollere Pflanzen zu ziehen: Marillen und Pfirsiche, denen eigens ein veränderbares Glashaus errichtet werden musste, wurden gesetzt, Camelien gezüchtet und meterhohe Agaven zum Blühen gebracht. Erst das 20. Jahrhundert, in dem wirtschaftliche Nöte den "Luxus" einer derartigen Pflege unmöglich machte, bereitete dieser Blüte des Gartenbaus ein Ende.

Klostergärten heute

Die in Stift Zwettl ablesbaren Entwicklungsschritte finden sich in ähnlicher Form auch bei den anderen Klöstern Niederösterreichs. Und auch die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der "Klostergärten" haben ihre Parallelen: Denn mit viel Engagement und Liebe erlebten viele Gärten – nach Jahrzehnten der Vernachlässigung – vor kurzem eine Revitalisierung und wurden für Besucherinnen und Besucher zugängig gemacht: Stift Seitenstetten ließ seinen "Hofgarten" in barocken Formen wiedererstehen, der alljährlich Gäste aus Nah und Fern begeistert. Ebenfalls im Sinne des Barock ist der Prälatengarten im Stift Herzogenburg  rekonstruiert worden. Der Kräutergarten im Stift Geras setzt wiederum die mittelalterliche Tradition der Klostergärten fort und knüpft an das Wirken des bekannten Kräuterpfarrers Weidinger an, der in Herrn Benedikt Felsinger seinen würdigen Nachfolger gefunden hat. Stift Melk öffnet im Sommer seinen Gästen den Gartenpavillon, der mit den exotischen Fresken Johann Wenzel Bergls früher den Mönchen als Erholungsort diente. Während sich im Stift Lilienfeld  der Landschaftspark (in dem im 19. Jahrhundert 451 exotische Baum- und Strauchsorten gepflanzt waren) noch in seiner historischen Form erhalten ist, wurde der Park von Altenburg zu einem "Garten der Religionen" umgewandelt. Und im Stift Zwettl  kann der prachtvolle Blick auf den Kirchturm, einst dem Prälaten und seinen erlesenen Gästen vorbehalten, heute von allen Besucherinnen und Besuchern bewundert werden – am besten bei Kaffee und Kuchen.

Text: Andreas Gamerith

Dieser Artikel ist ursprünglich im Schaufenster Kultur.Region erschienen.