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Kammgarnspinnerei, Kalkofen, Frauenbad

NÖ Museen
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Wo früher Baumwolle gesponnen, Kalk gebrannt, Walzen graviert oder auf den Zug gewartet wurde – solch historische Gebäude haben heute oft als Museen eine neue Bestimmung gefunden. Damit sind diese Museen und Ausstelllungshäuser auch unabhängig von den gezeigten Ausstellungen oder Veranstaltungen einen Besuch wert. 

Objekt: Glasplattennegativ aus dem Jahr 1905
Museum: Museums-Lokalbahn Verein Zwettl

16 am Flohmarkt entdeckte Glasplatten-Negative, die den Bau der Zwettler Eisenbahnbrücke zeigen, bieten dem Museums-Lokalbahn Verein Zwettl Anlass für eine Spurensuche zum Thema  „Brückenbau einst und jetzt“. Fotografien und Dokumente vergleichen den Bau des Zwettler Viadukts in den Jahren 1905/1906 mit der Neuerrichtung der Tragwerke 1998/1999. Der Bau der Brücke Anfang des 20. Jahrhunders wurde mit hohem personellem Einsatz und großem handwerklichem Geschick unter Verwendung einfacher technischer Werkzeuge vollbracht. Dem gegenüber steht die teilweise Erneuerung der Brücke Ende des 20. Jahrhunderts unter Einsatz modernster Technik, aber dafür mit erheblich geringerem Personalaufwand. Die Dauer beider Arbeiten war in etwa gleich lang.

Radikal denken und Stadtlabor unterwegs

Um identitätsstiftend für den Ort und seine Bewohner zu sein, bedarf es neben der Öffnung des Museums auch anderer Formate und Themen.

Zum Beispiel das Verlassen der Museumsräume und Hinausgehen zu den Menschen, wie es das Historische Museum Frankfurt in seinem Stadtlabor unterwegs macht. Es entstanden Filme, Ausstellungen, Sammlungs-Checks zum Thema Migration – alle partizipativ, gemeinsam mit den Frankfurterinnen und Frankfurtern. Die Menschen vorort wurden als Expertinnen und Experten zu relevanten Mitgestaltenden.

Es bedarf der Kooperation mit anderen Institutionen, mit Stadtentwicklern, Schulen, Künstlerinnen und Künstlern, sozialen Einrichtungen, NGOs - eben auch mit „absolut genrefremden“ Personen oder Institutionen – deren kritischer Blick von außen wertvollen Input liefern kann.

Es bedarf Themen wie Mobilität, Umwelt, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Migration, Integration, Stadtentwicklung – Themen, die die Menschen heute bewegen.

Es kann ruhig auch mal radikal gedacht werden. Wozu brauchen wir überhaupt Museen? Wie schaut ein Museum ohne Objekte aus?

Es soll die Öffnung für und Einbindung von neuen Zielgruppen überlegt werden. In Stuttgart, der „Mutterstadt des deutschen Hip-Hops“ wurde dem im Stadtpalais – Museum für Stuttgart Rechnung getragen, und zwar mit Veranstaltungen wie Jam Sessions oder etwa einer Sonderausstellung zu den „Fantastischen Vier“.

 

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Und hier in Niederösterreich?

Diese Fragen aus dem Publikum werden sich wohl auch viele Museumsmenschen aus Niederösterreich stellen. Nein, man kann und soll sich nicht radikal wandeln, das ist wohl weder möglich noch zielführend. Aber viele Museen auch in unserem Bundesland zeigen bereits jetzt beispielhaft vor, wie mit kleinen Impulsen und Interventionen Schritte gesetzt werden, damit die Museen in unseren Regionen relevante Orte für die Gesellschaft im 21. Jahrhundert sind, bleiben und werden.

 

Die Vorträge der Tagung können auf dem YouTube-Kanal der Kulturstiftung des Bundes nachgehört werden.

Hier kann das wunderbare Grapic Recording der Tagung angeschaut werden. 

 

Text: Karin Böhm

Objekt: Ladenzeile
Museum: Museum Traiskirchen

„Heute frische Krapfen!“, „Titze Feigenkaffee – Feinste Qualitätsmarke“ und „Altbewährt. Maggi Suppen-Artikel“: Emailleschilder preisen altbekannte Marken an. Eine Ladenzeile reiht sich an die nächste: Gemischtwarenhandlung, Apotheke, Eisenwarenhandlung, Uhrengeschäft, Bäcker, Schuster, Hutgeschäft – alle mit Originalausstattung. Das in der ehemaligen Kammgarnspinnerei Möllersdorf untergebrachte Museum Traiskirchen lädt zu einer Reise in eine Zeit ein, in der es noch keine Shopping-Center und Supermarktketten gab.